PAF-Fluggruppe

LSZF Birrfeld CH

 

20 Jahre PAF-Gruppe

(Rückblende Flugreisen)


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PAF-Gruppe Rückblende Flugreisen
Gletscherfliegerei

 

Flugreise

Spanien-Marokko-Teneriffa-Algerien

11. - 25. April 1990

 

Piloten HB-PAF:
Kurt Grünig, Otto Juchli, Alfred Klauser

Piloten HB-OMX:
Maja Byland, Eri Gloor, Aldo Cavinato  

 

 

Zwischenlandungen in:
Genf-> Gerona-> Gastellon-> Almerina-> Tanger-> Cassablanca-> Agadir-> Lanzarote-> Teneriffa-> Lanzarote->
Marakesch-> Fes-> Oijda-> Oran-> Alicante-> Gastellon-> Gerona-> Genf

 

Montag, 9.4.90 Vorbereitungen Birrfeld und Zürich

Um 19 Uhr treffen wir uns im Birrfeld und fahren ins "AIS"-Büro Kloten. Es geht um die Klärung der generellen Wetter-Aussichten und die Beschaffung der Flugplatzkarten von Marokko und Algerien. Mit Freude stellen wir fest, dass die Bewilligung für den Flug durch Algerien für den 20. bis 24.4. als Telex vorliegt. Wir danken dem AIS-Personal bestens für ihre unkomplizierte Hilfe. Auch der Wetter-Spezialist kann uns positive Bescheid geben. Wenn das Wetter über Rhonetal und Spanien nicht gut ist, sollten wir eine Route weiter westlich über Bordeaux und Portugal wählen.

 

Dienstag, 10.4.90 Meteo-Erwartungen: alles ist noch offen

Die heutige Wettersituation sieht nicht sehr positiv aus. Vor allem über der Schweiz wird das Wetter längere Zeit regnerisch bleiben.

 

Mittwoch, 11.4.90 Birrfeld - Genève (Wetter sehr mässig)

Schon kurz nach 8 Uhr treffen die ersten Kollegen reiselustig ein. Den langen Morgen über trinken wir bei strömendem Regen Kaffee in der Birrfelder Beiz. Nur Eri eilt bei jedem abklingenden Schauer jeweils zur HB-OMX, um sie immer wieder abzuledern, was aber auch nichts nützt, ausser, dass er bis Mittag durch und durch nass ist. Unerbittlich hat bei der HB-PAF Otti die Beladung überprüft. Der harten Gewichtskontrolle müssen sogar die frischen Rüebli und die 18 kg schwere und unförmige Rettungs-Insel weichen. Otti vermag sogar die Crew von HB-OMX anzustecken. Sie entfernen klammheimlich die Verpflegungs-Taschen von Maja aus dem Flugzeug.

Mit letzten Hoffnungen prüfen wir gegen 14 Uhr die Meteo erneut. Und wirklich, 14.30 steigen wir in die Luft. Tiefhängende Schauer lassen uns in einer Wartekurve auf 2000 Fuss über Safenwil eine Denkpause einlegen. Dann geht es über Grenchen und dem Neuenburgersee entlang trotzdem noch bis Genf. Auch die HB-OMX trifft nach einem vergeblichen Versuch über Romont zu gelangen via Neuenburgersee ein. Trotz mittelmässigem Wetter ist für heute nicht mehr an eine Fortsetzung der Reise zu denken. So fahren wir in die Stadt, suchen uns ein Hotel und speisen vorzüglich in der von Eri empfohlenen Kneipe.

 

Donnerstag, 12.4.90 Genève - Gerona - Castellon

Die erste frühe Tagwache dieser Reise wird nicht von allen geschätzt. Maja verzichtet auf den Morgenkaffee. Die guten Wetteraussichten für heute lassen uns nach kurzem Frühstück rasant aufbrechen. Die positive Situation wird bei der Meteo erneut bestätigt. Schon ist der Flugplan aufgegeben und 10.44 gehts mit vollen Tanks in Richtung Süden. Zum Mittagessen gibts an Bord über Frankreich Servelats mit Brot und Jus. Der Himmel wird immer klarer. Bald passieren wir Nimes und Montpellier und erreichen die Küste des Mittelmeeres. Der Mistral bläst kräftig von hinten. Wir sparen dadurch 37 Minuten Flugzeit ein und erreichen Gerona bereits nach 2 Std und 38 Minuten. Das DME zeigt zeitweise anstelle von 100 bis 140 Knoten (1 Knoten = 1,86 km/Std) Geschwindigkeit an. Ueber den Pyrenäen haben wir starke Turbulenzen erwartet und sind über das Meer ausgewichen. Es ist jedoch überhaupt kein Rütteln zu spüren.

Bevor wir in Gerona (Spanien) den Aemterlauf beginnen, stürzen sich Eri und ich in "Schale" (weisses Hemd, Copiloten-Abzeichen, dunkle Hosen und Schuhe). Kollegen haben uns dies empfohlen. Wir erhoffen uns damit eine speditivere Abfertigung. Wir hoffen, dass der Flugplan für den morgigen Einflug in Marokko (24 Stunden im voraus nötig) richtig in den Computer eingegeben worden ist. Bald melden wir uns startbereit. Aber so rasch geht es doch nicht, denn wir haben vergessen, die Landetaxen zu bezahlen. So steigt denn der "Captain" nochmals aus, um die Schuld im C-Büro zu begleichen. Um 16.02 geht es definitiv in die Luft, wie in Zukunft üblich, HB-PAF und 6 Meilen dahinter die HB-OMX. Aus dem Traum, Barcelona einmal vom Meer her betrachten zu können wird nichts. Der Controller weist uns wegen viel Verkehr den Landweg über Sabadell zu. Natürlich erhält auch hinter uns die HB-OMX "the same procedure". Präzise werden die Meldepunkte überflogen und bald folgen wir wieder der Küste via Reuss und Ebro-Delta.

In Castellon überrascht man uns am Funk mit einem schweizerdeutschen "Grüezi mitenand". Die Buttwiler Flugschule hat hier überwintert und vom beständigen Flugwetter des Südens profitiert. Der Entscheid, diese Nacht bei den Fliegerkollegen zu verbringen, ist rasch gefällt. Auf Empfehlung des Flugplatzchefs verriegeln wir unsere Flugzeuge. Danach quartieren wir uns im nahen Hotel Golf ein. Das gemeinsame Nachtessen im "Treibhaus" am Flugplatz ist vorzüglich. Die Unterhaltung findet natürlich in reinstem Fliegerlatein statt. Denn Piloten sind nie so einfallsreich und brilliant, wie wenn sie bei einem Glas Wein am Boden sitzen. So erfahren wir auch, dass sich die Anwohner sehr über den Flugbetrieb freuen und das auch zum Ausdruck bringen. Bei uns zuhause melden sich leider immer nur die Gegner zum Wort.

 

Freitag, 13.4.90 Castellon - Almeria - Tanger

Der neue Tag und das gute Wetter bewirken, dass Maja sogar schon zum Frühstück erscheint. Wir folgen den Empfehlungen, als nächsten Platz Almeria einzuplanen. Der Flug geht flott voran, alles der Küste entlang. Nur in der Gegend von Torrevieja wird es sehr dunstig. Wir sinken überm Meer ab, bis auf 300 Fuss hinunter. Bei San Javier steigen wir höher und finden über 3000 Fuss wieder beste Sichtverhältnisse. So macht das Fliegen Spass.

In Almeria brauchen wir zum Tanken und Aemterlauf trotz Uniform viel Zeit. Der Flugplan nach Tanger (Marokko) wird ohne Rückfragen genehmigt. Wir starten 15.12 wieder. Auf 2000 Fuss geht es der Küste entlang. Wir passieren die Bucht von Malaga und erblicken nach 1:45 den berühmten Felsen von Gibraltar. Nach dieser markanten Passage gehts zur südlichsten Spitze von Spanien. Wir kreisen kurz über dieser Stelle, sinken dann wegen der Bewölkung auf 1500 Fuss hinunter und tasten uns Richtung Afrika voran.

Der Küste entlang regnet es ein wenig. Darum überfliegen wir die Stadt Tanger in geringer Höhe und geniessen den Blick in die erste afrikanische Stadt mit ihren typischen Häusern, Gassen und Plätzen. Bei der Landung auf Piste 26 bläst uns ein Wind von 280 Grad mit 18 Knoten entgegen. Wir treten entsprechend stark ins Ruder.

Wir sind in Afrika !!!

Die Formulare sind nun zusätzlich arabisch beschriftet. Die Formalitäten sind gleich wie in Spanien. Es wird viel gesprochen und diskutiert.

Wir studieren die weitere Flugroute. Hier zeigt man uns, dass wir morgen nicht der Küste folgen, sondern eine spezielle Route im Hinterland via Sidi Bettache von Dorf zu Dorf fliegen müssen. Auf gar keinen Fall dürfen wir das Areal des Königspalastes an der Küste bei Rabat überfliegen. Wir erfahren, dass Sonnenuntergang bereits 19.01 ist (Lokalzeit ist hier Greewichzeit) und bleiben deshalb für die Nacht in Tanger. Die Flugzeuge werden aufgetankt und angebunden. Eifrige Helfer tragen Steine herbei und erwarten vom uniformierten "Captain" ein entsprechend hohes Trinkgeld. Mit dem einen Dollar sind sie offentsichtlich nicht zufrieden. Der Helfer klagt bei Kurt: "a lot of work, a lot of stones and only 1 dollar". Kurt zuckt nur mit der Schulter und deutet auf mich, den Boss. Ich bleibe hart. In der Stadt ist das empfohlene Hotel Rembrand besetzt. Maja und ich finden im dritten Anlauf Platz im Hotel "Afrika".

 

Samstag, 14.4.90 Tanger - Casablanca - Agadir

Die Abfertigung verläuft freundlich. Die Helfer von gestern bekommen kein weiteres Trinkgeld mehr. In Feinarbeit folgen wir (Navigator: Otto) der vorgeschriebenen Landroute nach Casablanca. In der Gegend um Rabat hören wir auf "Casa Info" die BALAIR-225 rufen. Wir melden uns bei ihr, da wir unsere Frauen darin vermuten, und übergeben den Piloten viele Grüsse. Später stellt sich heraus, dass es 2 BALAIR-Kurse innerhalb von einer Stunde nach den Kanarischen Inseln gibt. Der Anflug in Casablanca führt über Vororte mit Villen und Autofriedhöfen.

Die Abfertigung ist speditiv und bald folgen wir wieder der Küste nach Süden. Besondere Beachtung schenken wir dem Sandstreifen vor Essaouira, wo Turi Mörig seine Notlandung mit der Himmelslaus gemacht hat. Wir umkreisen den Ort und steuern dann den Flugplatz an. Im tiefen Ueberflug erkennen wir die Pisten-Nr. 17 und 35, einige Schafe und Hunde auf der Graspiste, sowie einen Stein-Kreis mit dem Text "Essaouira". Danach steigen wir höher, überfliegen den Ausläufer des kleinen Atlas und schon beginnt der Anflug auf Agadir. Hier ist der Kontakt mit den Beamten viel gelöster. Aldo nutzt seine sprachlichen Talente bestens. Die Abfertigung geht relativ schnell. Grosse Lust besteht bei dem vorzüglichen Wetter für einen Weiterflug. Kurt klärt über Telex die "Sunset-time" von Lanzarote ab. Sie wird vorerst mit 2200 UTC gegeben, dann aber auf 1920 zurück korrigiert. Für heute geht es also nicht mehr weiter.

Mit 2 Taxis fahren wir zum empfohlenen Hotel. Da es belegt ist, bringen uns die Fahrer in ein anderes. Es liegt direkt am Strand und ist sehr sauber und bequem. Im Laufe des Abends und der Nacht nimmt sich Maja der abgemagerten und verwilderten Katzen (vierbeinige, teilw. einäugige) an. Ob da nicht morgen diverse Flöhe, Käfer und Parasiten zu ihrem ersten OMX-Flug kommen werden ?

Allg. Erfahrungen in Marokko: Taxen müssen in Dirham bezahlt werden. Ueberall sonst (Taxi, Benzin, Hotel) bevorzugt man FFr oder ähnliche harte Währungen, wobei natürlich das Herausgeld meistens zu fehlen scheint.

 

Sonntag, 15.4.90 Agadir - Lanzarote - Teneriffa-Nord

Grosse Begrüssung schon vor 8 Uhr (!!!) durch unsere Taxi-Drivers von gestern, mit denen wir uns für 8.15 verabredet haben. Der Preis von 100.- FFr. für 2 Taxis scheint für diese Jahreszeit scheinbar gut zu sein. Auf dem Flugplatz geht es rasch durch den Zoll. Meteo für Lanzarote und Teneriffa werden eingeholt und 09.32 LT sind wir mit Schwimmweste ausgerüstet bereits in der Luft. Ueber eine Stunde lang folgen wir (HB-OMX im Rücken) in laufend etwas grösser werdendem Abstand der Küste nach Süden. Wir gewöhnen uns und unsere Kameradin sorgfältig an den Blick aufs Wasser. Der Wind aus 020° hilft kräftig mit. Bald verlassen wir FIR Casa und melden uns 50 Min. vor Lanzarote auf "Canaris Control". Wir fühlen uns sehr interkontinental und dem Ziel nahe. Bereits liegt aber der "Bravo-Punkt" so nahe, dass wir in steilem Sinkflug auf 1000 Fuss hinunter gehen. OMX versucht mitzuhalten (6 miles behind), verliert uns aber zeitweise aus der Sicht. Bei Wind von 60° und über 30 Knoten Stärke legt Otto eine saubere Landung vor.

Während des Tank-, Zoll- und Food-Stops verankern wir unsere Vögel fest am Boden. Dank des Windes und der direkteren Route überm Meer, ermitteln wir anstelle der geplanten 3h 15' eine effektive Flugzeit von nur 2h 30'. In Lanzarote herrscht reger Betrieb. Es stehen immer 2 - 5 grosse Jets auf dem Vorfeld. In der Saison sollen hier bis 40'000 Touristen pro Woche umgeladen werden. Immer in Begleitung von leider kaum englisch oder französisch sprechenden Beamten geht es direkt durch Türen und Gänge (und WC / Pampers !). Kurt und Eri besorgen die Meteo, Aldo (unser "Purser") den Mittagslunch, während wir auf dem Apron lange auf Benzin warten. So wird das Mittagessen standes- oder sitzend-gemäss anstatt an Bord auf dem Randstein des Apron eingenommen. Benzin bezahlen wir in SFr. mit Rückgeld (ca.) in Peseten.

15.38 Start in Lanzarote zur letzten Etappe nach Teneriffa. Wir steigen rasch über den Dunst auf 8500 Fuss. Der Kontakt mit Canaris-Control funktioniert einwandfrei. Allmählich erscheinen unter uns einzelne Cumulus-Felder mit schräg zum Kurs liegenden Furchen, durch die wir den Atlantik erblicken. Erst 20 Minuten vor Teneriffa verdichten sie sich. Kurt sinkt nach zwei 180°-Kurven wie bei einem Anflug durch diesen Sichtgraben hinunter auf 2500". Beruhigend meldet das DME der OMX nur noch 12 Minuten bis zur Insel. Es wird sehr düster. Wir sinken weiter auf 1500". Da erkennen wir die ersten Felsen der Insel. Wir folgen der Küste. Den Kontakt mit dem höher liegenden Teneriffa-Nord-Approach finden wir erst im Steigflug über Santa Cruz. Wir erkennen das Häusermeer und die grossen Sende-Antennen, nicht aber den noch über uns auf 2078" liegenden Flugplatz. Der Lotse gibt uns zum "Spezial-VFR-approach" frei. Vorbei an Wolkenfetzen und steilen Vulkan-Kegeln meistern Kurt und Eri den recht anspruchsvollen Anflug bestens.

Wir landen exakt um 17.02 in Teneriffa-Nord. Aussteigen, aufatmen, gratulieren, Fotos, Schwimmweste aus, Ziel erreicht nach total 18h 10' Flugzeit.

Wie sich herausstellt, ist das "Frischmachen" vergeblich gewesen, denn unsere Frauen haben bei dem regnerischen Wetter nicht mit unserer Ankunft gerechnet uns sind im Hotel oder beim "Lädele" geblieben. Mit einer rasanten Taxifahrt gehts zum Hotel in Puerto della Cruz. Einfach perfekt, wie uns bereits Margerita mit einer wundervollen Rose willkommen heisst. Bald erscheinen auch unser Frauen und es geht (noch in voller Kapitäns-Montur !) zum Willkommens-Drink. Die ersten Erlebnisse dieses interessanten und äusserst perfekt gelungenen Fluges werden ausgetauscht.

Amtlich vermerkt wird hier: Aufgrund der geleisteten guten Dienste für HB-OMX und HB-PAF sowie seines Organisations-Talents und Charakterstärke wir der Pursor Aldo per sofort zum "Maître de Cabine" befördert".

Puerto de la Cruz (Teneriffa)

Montag, 16.4.90 Rundfahrt zum Teide

Das Wetter auf der Nordseite der Insel zeigt sehr oft Wolken und zeitweise Niederschläge, während die Südseite offen da liegt. Das führt zu einer sehr üppigen Vegatation im Norden, dagegen zu sehr trockenem und kargem Boden auf der Südseite. Heute ist für uns "Ruhetag". Deshalb sind nur Marteli und ich um 9 Uhr in der Hotelhalle zur Uebernahme der 2 knallroten Mietwagen. Beim Frühstück um 11 Uhr LT entscheiden wir uns für eine Ausfahrt zum "Teide", dem 3007 m hohen Berg auf dieser Insel. Marteli, Otti, Kurt, Annelies, Eri, Esther und ich klettern mit den Mietwagen bei sehr warmem Wetter durch die Wälder bergan. Nach einzelnen Erfrischungshalten erreichen wir den grossen Haupt-Krater des erloschenen Vulkans. Die wie erst vor wenigen Sekunden erstarrten bizarren und vielfarbigen Lavamassen wirken auf uns wie frisch gepflügte Felder.

Beim Ziel, der Talstation der Seilbahn, rechnen wir uns etwa 80 Min. Wartezeit aus. Deshalb verzichten wir auf diese Fahrt zu Spitze des Teide. Wir wenden uns südwärts, und durchfahren den mehrere Kilometer breiten Kraterboden. Auf einer holperigen und wenig befahrenen Strecke gehts der Südflanke entlang über Villaflor zur Süd-Autobahn. Hier ist es sehr trocken und sonnig. Wir bestaunen die Bewässerungs-Anlagen, die Weinberge, die Früchte an den Kakteen sowie die freie Aussicht zum Flpl Teneriffa-Süd und aufs Meer. Die Fahrt über die Autobahn via Santa Cruz dauert noch über 1,5 Std und gibt uns einen Eindruck von der Grösse dieser Insel.

PAF und OMX Crew vor dem Hotel in Puerto de la Cruz

 

Dienstag, 17.4.90 Ruhetag, Gartenparty, Mangel-Erscheinungen bei der Crew

Wir geniessen die Ruhe im Hotel und am Pool und lassen uns von der exotisch wirkenden Umgebung bezaubern. Kartengrüsse werden an Freunde und Kollegen versandt. Als Krönung winkt am Abend die Gartenparty bei Marguerita und Alfonzo. Excellente Spezialwurst und Fleisch vom Grill zusammen mit dem starken Wein aus heimischem Keller lassen uns im südlichen Garten die Gedanken weit weit weg von der regnerischen Heimat rücken. Wir fühlen uns so, als ob wir schon über 2 Wochen von zuhause weg wären. Aber bereits am späten Abend beim Tanz im Hotel beginnen sich bei einzelnen Crew-Mitgliedern Mangel-Erscheinungen zu zeigen. "Morgen gibt's einen Rundflug !" Das ist die Rettung.

 

Mittwoch, 18.4.90 Rundflug um den Teide

Otti und ich begeben uns früh zum Flugplatz. Wir tanken auf, putzen die Scheiben der PAF (!!) und bereiten den Rundflug mit unsern Gästen vor. Pünktlich erscheinen Marguerita und Alfonzo mit Sonnenbrille und Videokamera.

. Margerita und Alfonso Gonzalez

An der sonnigen Südseite der Insel steigen wir auf bis zum teilweise noch schneebedeckten Teide. So direkt wie hier ist die Höhe von 3007 m über Meer wohl selten bei einem Berg zu sehen. Unsere Gäste geniessen mehr oder weniger ängstlich den Ausblick und filmen die Gegend und die Wand der Vordersitze. Wir überfliegen die Wolkendecke an der Nordseite der Insel und sinken an deren Rand zum Meer ab. Darunter steuern wir in Richtung unseres Hotel und melden uns bei "Grünig-ground". Mit Erstaunen erkennen wir, dass unsere Kollegen zur Begrüssung mit den Hotelstühlen ein grosses "M + A" auf dem Dach ausgelegt haben und uns munter zuwinken. Nach kurzem Kreisen geht es wieder zurück zum Flugplatz. Hörbares Aufatmen von Alfonzo und zurück gehts in den Alltag.

Nach einem Rundflug um den Teide 3750 m

Donnerstag, 19.4.90 Teneriffa - Lanzarote - Marrakech

Grosse Verabschiedung von unsern lieben Frauen. Nach dem Start in Teneriffa-Nord suchen wir im Südwesten am Berg ein Loch und steigen über die Wolkendecke. So fliegen zwei einsame Piper nebeneinander über weichem weissem Dekor in Richtung Lanzarote. Da es nicht viel zu sehen gibt, bewundern wir uns gegenseitig (Tanz der Elfen). Schon vor dem Ziel löst sich die Decke auf, problemloser Anflug auf Lanzarote.

Wir tanken voll. Im Flugplan geben wir Agadir als Ziel und Marrakech als Ausweichplatz an. Je nach Wind und Benzin-Vorrat wollen wir über Agadir entscheiden, ob ein Tankstop nötig ist. In der Luft zeigt das DME der OMX recht hohe Geschwindigkeit zum VOR an. Wir haben kräftigen Rückenwind. Schon nach 1.58 anstatt geplanten 2,5 Std. passieren wir Agadir und melden die Flugplan-Aenderung. Wir fliegen weiter zum Alternate Marrakesch. Der Blick hinunter zeigt uns die einsamen und öden Täler der Ausläufer des Atlasgebirges.

In Marrakech landen wir nach 2.53 mit über 40 Min. Vorsprung auf unsere Planung. Wir entscheiden uns, noch heute aufzutanken. Ein Helfer will für uns Benzin besorgen, natürlich gegen Trinkgeld. Wir sagen, wir hätten genug Zeit und warten, warten, warten wirklich 2,5 Stunden, bis der Tankwagen vorfährt. Dazwischen plaudern wir mit den Piloten eines englischen Business-Jet. Er erzählt uns, dass während des Auftankens ein Helfer in die Kabine geschlüpft ist und Whisky samt Gläser geklaut hat. Also gilt es doppelt, unser Eigentum nicht eine Minute aus den Augen zu lassen. Fürs Benzin gibts eine Rechnung, für das benötigte Oel keine. Darum ist wohl auch der Oel-Preis so unheimlich hoch.

Wir fahren zum feinen Hotel N'FIS am nahen Stadtrand. Ein Besuch in der Stadt gibt uns einen ersten Eindruck vom bunten Marktgeschehen in Marokko. Im Pool des Hotels kühlen wir uns nach der langen Reise ab. Das Nachtessen nehmen wir im Innenhof des Hotel ein. Die Zeit des heiligen Ramadan hat für uns konkrete Auswirkungen. Der Service funktioniert nur bis zum Hereinbrechen der Dämmerung, dann stürmt das gesamte Personal weg zum ersehnten Essen und lässt uns für eine gute Stunde allein. Erst danach geht es mit dem Service wieder weiter. Während des Tages darf man nichts essen und scheinbar auch nicht betrügen (?). Nach der Dämmerung dann......

 

Freitag, 20.4.90 Marrakech - Fez

Am Morgen herrscht auf dem Flugplatz noch nicht viel Leben. Wir wollen die Taxen bezahlen, können jedoch den zuständigen Mitarbeiter nicht auftreiben. Ein Kollege zeigt sich bereit, für uns die Taxe später zu übergeben. Wir bezahlen einige gute Dollar mehr. Ja, wer zu wenig Zeit hat, wird natürlich beschi.... Der Flug nach Fez ist kurz, muss jedoch der vorgeschriebenen VFR-Route folgen. Dabei sehen wir das auf dem Hinflug bereits als Checkpoint bekannte Dorf Sidi Bettache. Und wirklich, wir finden das gleiche Dorf wieder vor. Also erfolgreiche Präzisions-Navigation durch Otto. In diesen Breiten, nahe dem Aequator, ist die Sunset wesentlich früher als bei uns, ist also besonders zu beachten. Wir landen kurz vor SS in Fez. Zu sechst (sext ?) quetschen wir uns in ein Mercedes-Taxi. Eri schlägt dabei mit der Hand aus und der Innenspiegel ist kaputt. Die Taxikosten sind 240 Dirham hoch und der Spiegel muss dazu noch (fürstlich) bezahlt werden. Für zwei Nächte ziehen wir im freundlichen Hotel P.L.M. ein. Das Nachtessen im Hotel ist gut.

 

Samstag, 21.4.90 Besichtigung in Fez

Nach dem Frühstück macht sich ein Erkundungs-Trupp auf die Socken. Mehrere Führer bieten uns ihre Dienste an. Wir vereinbaren mit Ali Treffpunkt und Kosten für einen Rundgang durch die Stadt und den Suk. Zur festgelegten Stunde treffen wir unsern "Ali" in weissem Kaftan mit Führer-Plakette. Er zeigt uns den Königsplast von aussen. Jetzt werden alle Strassen gereinigt, die Randsteine neu weiss/rot bemalt und so für den bevorstehenden Besuch des Königs vorbereitet. Durch eine Ladenstrasse, das sog. Judenviertel, das nach dem Weggang der Juden von Arabern belegt worden ist, geht's in Richtung Suk. Otto und ich kürzen uns den Weg per Taxi etwas ab und warten vor dem Eingangstor des Suk.

Da man sich in den engen Gässlein nicht mit Autos bewegen kann, werden hier Esel-Kolonnen, Handwagen und Menschen als Transportmittel eingesetzt. Ali beschwört uns vor dem Eingang, immer nahe beisammen zu bleiben. Wirklich, in den verwinkelten engen Gässlein und dem vielen Volk kann man sich leicht verlieren. Die Orientierung ist für uns in diesem Gewirr kaum möglich. Gedränge, afrikanisches Geschrei, fremdartige Gerüche und das bunte Treiben sind intensive exotische Eindrücke aus nächster Nähe, die wir wohl nie vergessen werden. Nur mit einem raschen Griff kann ich Eri davor bewahren, dass er auf die zum Kauf angebotenen Hühner tritt. Dieser Tritt hätte wohl zu einem langen Palaver und sehr teuren Hühnerleichen geführt. Ali führt uns durch die engste nur ca.60 cm breite Gasse des Suk, zu Gewürz- Schnitzerei- und Souvenir-Händlern.

In einem Innenhof besuchen wir ein Ziegen- und Schaf-Fell-Gerberei. Die Felle werden mit bläulichem Kalk behandelt. Am Boden liegen Haufen von abgehackten Füssen, bläuliche Gerbflüssigkeits-Pfützen sind da. Und es riecht nach Gerberei... Maja, unser Tierfreund, hält tapfer mit. --- alles umba ---

Auf dem weitern Weg durch die Gässlein fehlt uns plötzlich Kurt, unser Video-Mann. Wir verständigen Ali. Er wird wütend, er habe uns ja gesagt, wir sollen zusammen bleiben. Ich gehe einige Gässlein zurück und schaue mich nach Kurt um. Zu weit wage ich mich aber nicht zurück, es ist wirklich nicht einfach, die Uebersicht zu behalten. Wir finden Kurt nicht mehr. Verzweiflung kommt auf. Ist er beraubt oder gar erschlagen worden ? Seine Video-Kamera ist sicher weg ? Für uns bleibt die Ungewissheit. Der obligate Besuch beim Teppich-Händler und sein fruchtiger süsser Tee will uns kaum schmecken. Wir haben keine Lust zum Kauf der schönen Teppiche. Wir drängen Ali zum Beenden der erlebnis-reichen Führung. Er bringt uns zum Ausgang des Suk.

Wir kehren per Taxi (grosses Gedränge vor dem Stand) oder Bus (alte Lotterkiste, Gedränge im Bus) zum Hotel zurück. Und wen sehen wir da ? Ein vollkommen unversehrter Kurt erzählt uns seine Geschichte. Nachdem er uns verloren hatte, gelang es ihm nicht, den Weg aus dem Suk zu finden. Er entdeckte einen Vater mit Sohn, beurteilte sie als vertrauenswürdig. Sie halfen ihm, den Weg aus dem Suk zu finden. So einfach und ungefährlich geht es hier zu und her !

 

Sonntag, 22.4.90 Fez - Oujda - Oran (Algerien)

Heute bestellen wir uns 2 Taxis zum Flugplatz. Wir sind bereits bei der Flugplanung, als ein Boy aus dem Hotel mit Eri's Kreditkarte erscheint. Er hat sie an der Reception liegen lassen und der Boy hat sie ihm nun per Auto zum Flugplatz gebracht. Wo gibt es noch so hilfsbereite Leute ? Ein währschaftes Trinkgeld ist diese Dienstleistung sicher wert.

Ueber immer kargere Landstücke geht es ostwärts. Pflanzungen, die bewässert werden, stechen mit ihrem dunklen grün deutlich heraus. Wir fliegen zeitweise parallel zum Tal und der Strasse mit mehreren Dörfern. Die grossen offenen Marktplätze sind deutlich aus der Luft zu erkennen. Am Horizont gibt es Stauseen, die auf unserer Karte nicht enthalten sind. Wir erreichen Oujda, unsere letzte Station in Marokko.

Vor der Einreise nach Algerien wollen wir auftanken. Der Tankwart lässt zuerst etwa 5 Liter Benzin in ein Glas fliessen und zeigt es uns vor. Die Qualität ist einwandfrei und die PAF wird aufgetankt. Bei der OMX zeigt sich Eri skeptischer. So muss ein Damenstrupf geopfert werden. Es soll als Filter dienen, wirkt aber eher als Brause und der wertvolle Saft spritzt nach allen Seiten. Nachdem auch die OMX bereit ist, geht's in der bekannten Formation (OMX 6 miles behind PAF, same information...) nach Algerien.

Wir halten den Telex mit unserer Bewilligungs-Nummer bereit. Ueber einen braunen Sumpf/See fliegen wir auf Oran zu. Landung und Abfertigung laufen sehr speditiv. Wir deklarieren nach östlichem Brauch ganz exakt alle unsere Gelder und bald schon fahren wir per Taxi zum empfohlenen Hotel "ADEF".

Es ist das beste Hotel im Ort und liegt am dunkelblau glänzenden Mittelmeer. Der Empfang macht einen eher staubigen Eindruck, denn das Haus befindet sich gerade im Umbau. Vom Zimmer aus geniessen wir einen wunderbaren Blick auf das Meer und den Hafen. Da beim Wegziehen der Vorhänge auch gleich die ganze Halterung zu Boden gefallen ist, trauen wir auch der Festigkeit des Balkongeländers nicht. Hier gibt es kein Essen. Wir gehen zu Fuss zum 2.besten Hotel. Dort bestellen wir auf der hübschen Terrasse zuversichtlich ein Bier. Beim näheren Betrachten glauben einzelne Kollegen jedoch Fäden, Würmer und sonstige Sachen in der leicht trüben Flüssigkeit zu entdecken. Ich entscheide mich fürs Trinken und zum Erstaunen der Kollegen lebe ich heute noch. Sie haben ihr Getränk in die Blumenkisten gegossen und damit vielleicht den Pflanzen bleibenden Schaden zugefügt !?

Es ist zu wenig Vertrauen zum Verbleiben vorhanden. Also ziehen wir zum 3.besten Hotel weiter. Da stehen in der Hotelbar noch 5 Flaschen. Wir entscheiden uns für einen Cognak und können per Nase die gewünschte Marke aus zweien auswählen. Zwei deutsche Geschäftsleute wohnen hier. Wir fragen nach Bräuchen und Sitten in diesem Lande. Zum Essen in einer Nachbarkneipe kommt es nicht, da diese geschlossen hat. Also essen wir hier. Die Deutschen tun dies auch. Unser Vertrauen ins Haus steigt gewaltig an. Das Essen ist gut. Erst beim Bezahlen gibt's ein Problem. Der Kellner möchte gern schwarz Geld wechseln. Wir lehnen das günstige Angebot aber ab, denn wir haben unser Westgeld exakt deklariert und befürchten Probleme bei der Ausreise. Ein offizieller Wechsel sei erst nach 23 Uhr wieder möglich, sagt man uns. Wir suchen Rat bei den Deutschen. So stelle ich einen Check in DM aus und sie stecken uns zu einem mittleren Kurs Landeswährung zu. Auf dem Heimweg, es ist bereits dunkel, ist auf den Strassen wieder sehr reges Leben eingekehrt. Die strengen Regeln während des Ramadan werden auch hier exakt befolgt.

 

Montag, 23.4.90 Oran - Alicante - Castellon

Fast freiwillig verzichten wir auf das Morgenessen im staubigen Hotel und fahren zum Flugplatz hinaus. Das Wetter ist in Richtung Osten und Italien unsicher. Wir entscheiden uns, dem besonderen Land Algerien den Rücken zu zeigen und via Spanien heim zu fliegen. Noch lange werden wir die Eindrücken von Oran in Erinnerung behalten. Das Hotel werden wir all unseren Feinden bestens empfehlen (PS: so schlimm war es auch wieder nicht).

Bei tiefhängenden Wolken starten wir nach Osten und drehen nördlich in Richtung Meer und Spanien ab. Auf knapp 2000 Fuss ist die Funkverbindung mit Spanien noch nicht möglich. Eine Swissair-Crew hört uns und leitet als Relais unsere Meldung weiter. Sie fragen interessiert nach unserem Vorhaben und bekennen, dass sie ihren Arbeitsplatz ganz gerne mit uns tauschen würden. Das geht aber nicht so einfach und so fliegen wir denn per Piper weiter.

In Spanien geht es für unsere jetzigen Begriffe schon wieder ganz zivilisiert und normal zu und her. Wir landen in Castellon, begrüssen unsere Landsleute von der Flugschule Eichenberger und ziehen wieder im Hotel Golf ein. Wie sauber und gepflegt doch diese Zimmer sind !!!

 

Dienstag, 24.4.90 Ruhetag in Castellon

Im "super-sauberen" Hotel und an seinem Pool geniessen wir noch einen Tag Ferien. Natürlich geht es nicht ohne einen kleinen Rundflug in die Umgebung mit Otto ab. Schon gehören die Erlebnisse in Afrika der Vergangenheit an.

 

Mittwoch, 25.4.90 Castellon - Gerona - Genève - Birrfeld

Die Ferien und damit unser Flug-Flonerleben neigen sich dem Ende zu. In gewohnten und zivilisierten Bahnen geht's via Gerona und Genf heim. Am 25.4.1990 um 17.13 geht für uns 6 Weltenbummler eine grosse Reise zu Ende. Sie hat uns tief geprägt, viele bleibende Eindrücke hinterlassen und eine wundervolle echte Kameradschaft unter verschiedensten Bedingungen bestätigt.

Für Die ausgezeichnete Kameradschaft danke ich Dir:

Aldo,

allseits aktiver Maître de cabine, und sportlicher Castellon-Sprinter

Eri,

unermüdlicher Putzer mit Eimer und Leder, immer Pilot am DME

Maja,

5 miles behind, aber frische Frühaufsteherin mit Rucksack und Pampers-Gang

Otti,

perfekter Navigator am Bleistiftstrich

Kurt,

kühlem Techniker mit trockenem und (hinter)-listigem Humor

Euer Fredy,

Oran-Bier-Trinker mit der lahmen Feder. . . . . was zu lange währt, wie dieser Bericht, kann nicht mehr besser werden.

Erfahrungen:

Afrika .....wer mehr Zeit hat, wird weniger beschissen

Marokko Französisch und Franz.Geld sind überall willkommen

Castellon Vorsicht vor Dieben auf dem offenen Flugplatz.

............... Aldo kann berichten, auch über Anti-Massnahmen

Algerien Durchflugs-Bewilligung konnte via AIS Zürich sehr rasch und unkompliziert

................eingeholt werden.

Bewilligungs-Telex und Bewillig. Nr. unbedingt mitführen, muss auf Flugplan angegeben werden.

Benzin 100 LL in Oran ohne Probleme erhältlich.

Sozialistisch geführtes Land mit Devisen-Deklaration.

Beim offiziellen Kurs von ca. 1:4 wird schwarz bis 1:20 gewechselt.

Land ist nicht gut auf Touristen ausgerichtet. Wenig Dienstleistungen, Bar`s mit wenig Flaschen.


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