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PAF-Gruppe Rückblende Flugreisen
Gletscherfliegerei

Flugreise

Wien-Prag-Rotterdam-Arcachon

12. bis 21. April 1991

 

Piloten:
Werner Hartmann, Alfred Klaus, Otto Juchli

 

 
Zwischenlandungen in:

Salzburg->Wien-> Prag-> Dresden-> Berlin -Tempelhof -> Hamburg-> Rotterdam-> Le Havre-> St. Nazaire-> Bell Ile->
Quiberon-> La Baule-> Ile D` Yeu-> La Rochelle-> Soulac-> Arcachon-> Vienne-> Lyon Bron-> Genf

 

Reisebericht HB-PAF  

Datum
von
nach
Std.

12.4.91

Birrfeld

Salzburg

2:02

Salzburg

Wien-Schwechart

1:44

13.4.91

Wien-Schwechart

Prag

1:17

14.4.91

Prag

Dresden

0:47

Dresden

Berlin-Tempelhof

0:52

15.4.91

Berlin-Tempelhof

Hamburg

1:42

Hamburg

Rotterdam

2:36

16.4.91

Rotterdam

Le Havre

2:16

Le Havre

St.Nazaire

1:27

18.4.91

St.Nazaire

Belle Ile

0:40

Belle Ile

Quiberon

0:18

Quiberon

La Baule

0:27

La Baule

Ile d'Yeu

0:26

La Rochelle

Soulac s/mer

0:28

Soulac s/mer

Arcachon

0:35

20.4.91

Arcachon

Vienne

3:34

Vienne

Lyon-Bron

0:17

21.4.91

Lyon-Bron

Genève

0:54

Genève

Birrfeld

1:14

Total Flugzeit:

24:13

Das Gepäck (Details siehe Ladegraphik von OJ inkl. Rüebli von AK)

 

Donnerstag, 11.4.91 Vorbereitungen Birrfeld und Zürich

Schon seit langem haben wir die Daten ab 11.April im Kalender frei gehalten. Heute treffen wir uns abends im Birrfeld. Es geht um die Wahl der Reise-Route. Wichtigste Voraussetzung sind die Meteo-Aussichten für die nächsten Tage. Wir fahren zusammen nach Kloten und lassen uns im AIS/Meteo beraten. Ein Tief liegt träge über Spanien/Portugal. Es bleibt liegen und damit auch die darum sich bewegenden Fronten, also unsicheres Wetter im Süden. Auf unsere Frage, wo es denn schön sei, meint der Wetterfrosch: "Am besten bleibt Ihr zuhause". Dies können wir jedoch uns und unseren lieben Frauen nicht zumuten.

Ottos Frage, wie denn das Wetter am Nordkap sei, lässt mich dreimal leer schlucken, denn so hat es auch schon einmal angefangen.... Als Alternative bietet sich ein Flug nach Osten und Nordosten an. Sofort gehen wir an die erste Grob-Planung.

 

Freitag, 12.4.91 Birrfeld - Salzburg - Wien

Punkt 11 Uhr, nach Ablieferung von Zoll-Formular und Flugplan, sowie einer eher ungewohnt einfachen Lade-Kontrolle von Otto, startet Werner in Richtung Ost. Am Funk schaltet sich kurz die liebe Maja dazwischen und gibt uns sehnsuchtsvoll (Abschieds-Tränen ?) die besten Wünsche mit auf den Weg. Wir überfliegen Konstanz und beim Vorbeiflug an Friedrichshafen hören wir schulmeisterliche Töne am Funk zwischen Tower und einem sog. erfahrenen deutschen Piloten. Bereits über dem Starnberger See, bei guter Sicht, geniessen wir an Bord ein exzellentes Mittagessen "à la Rosmarie Hartmann". Besten Dank dafür.

13.02 Landung in Salzburg, nach sorgfältigem Anflug um Burghügel und der aufmerksamen Beachtung der Fallwinde aus den nahen Bergen. Vom entfernt liegenden Parkplatz geht's zu Fuss zur Abfertigung. Wie soll es weiter gehen ? Ein Flug über die Alpen nach Klagenfurt ist aus Wettergründen nicht zu empfehlen. Wir entscheiden uns für die Donau-Ebene und Wien-Schwechart. Der offizielle Flughafen-Bus bringt uns zurück zur HB-PAF.

14.25 starte ich bei gemeldetem aber kaum spürbarem Seitenwind. Wir folgen dem nördlichen Alpenrand und dann der flachen Mulde der Donau-Ebene. Die Anflugroute für Wien führt der Donau entlang an meldepflichtigen Schlössern und UNO-Palast vorbei. Bei Sicht um 8 km erhalten wir einen kurzen "Direct-Approach runway 12".

16.09 sanfte Landung in Wien-Schwechart. Bei der Besprechung in Meteo und AIS ergeben sich für morgen interessante Aussichten. Ein Flug nach Prag und Ost-Deutschland (ehemalige DDR) ist sehr einfach geworden: Flugplan ca. 1 Stunde vor Abflug und go !! Der Beamte im AIS ist sehr hilfsbereit und gibt uns für morgen Karten- und Notam-Kopien mit.

Direkt auf dem Flugplatz buchen wir unser Hotel und gleich dazu auch das Taxi. Ein massiver Gewitter-Regen begleitet uns in die Stadt. Hotelbezug und Start ins Nacht-Essen/-Leben. Ueber mehrere Treppen steigen wir drei in den "12 Apostel-Keller" hinunter. In dieser gemütlichen Schenke geniessen wir unser Nachtessen und Trinken. Drei neue Apostel sind geboren.

Auch auf dem Weg zur "Bier-Klinik" tropft es draussen noch. Einem jungen englischen Ehepaar auf Europa-Reise machen wir mit Humor und auf PAF-fachmännische Art Mut zum Fliegen. Wir zeigen viel Verständnis für den sportlichen Flugstil der Alitalia-Piloten... Ob sie morgen wohl ruhiger weiterfliegen werden ?

 

Samstag 13.4.91 Wien - Prag

12.55 Take-off in Wien, über die bekannte Donau-Route gehts's zurück, vorbei an Donau-Turm, Kloster-Neuberg und Stockerau. Wien-Info lässt uns kurz vor Desna... OKF zu Prag-Info (126,1) wechseln. Obwohl wir keinen Funk-Kontakt bekommen, überfliegen wir die Grenze. Otto knipst ein Foto, wo wir die ehemaligen Grenzanlagen vermuten. Erkennbar sind Hecken, Trampelpfade und Pfostenreihen.

Bald klappt die Verbindung mit Prag-Approach. Freigabe zum Halten von 4000' und Flug über NDB PG, das direkt in der Anflug-Achse von Piste 31 liegt. Bei PG heisst es sinken auf ungewohnte "200 m bei QFE 671". Otto sticht nach unten, während ich die Meter auf Fuss umrechne, zu Tower wechsle und das "clear to land 31" für die breits vor uns liegende Piste erhalte.

Landung 14.12 und rollen auf Parkplatz Nr.29. Ein Beamter mit Fahrzeug erscheint und führt uns speditiv von Amt zu Amt. An der Pass-Kontrolle winkt uns der Zöllner einfach durch, wer hätte das vor der Oeffnung des Eisernen Vorhanges im letzten Jahr erwartet ?

Vor dem Flughafen-Gebäude warten wir lange auf ein Taxi. Der Fahrer weist uns auf eine private Unterkunft hin, wir bevorzugen aber ein Hotel in der Stadt. Das Hotel TATRAN, ganz in der Nähe des Wenzelsplatzes gelegen, ist einfach und gut. Bezahlen kann man am besten in DM. In Prag essen wir sehr günstig, aber auch einfach. Per Taxi erkunden wir die sehenswerten Punkte dieser geschichts-trächtigen Stadt.

 

Sonntag, 14.4.91 Prag - Dresden - Berlin

Nach dem Morgenessen im Hotel fahren wir zum Flugplatz. Wieder eine rasche begleitete Abfertigung und Bezahlung in harten Dollars. Werner startet 11.16 zum Flug über die vorgegebenen Meldepunkte. Bald wechseln wird zu Dresden für den Anflug auf der publizierten Route. Landung nach 47 Minuten Flug.

Der AIS-Beamte hat nicht viel zu tun und hilft uns gerne bei der Vorbereitung und Einholung der Lande-Genehmigung für Berlin-Tempelhof. Er überlässt uns grosszügig sein Exemplar der VFR-Flugrouten in Ost-Deutschland, das sog. "Spinnen-Netz", denn auf den Kopien kann man weder Strasse noch Bahn erkennen. Er meint, es werde sowieso demnächst ändern. Wir übertragen die Route auf die Radio-Navigations-Karte, sowie auf Otto's Strassenkarte.

14.25 starte ich ins Spinnen-Netz, am Funk Werner und Otto liefert die gewohnt höchsten Ansprüchen entsprechende Boden-Navigation. Der Flug durchs sog. "Spinnen-Netz" via Radeburg, Tettau, Schönborn, Uckro, und Bestenseee wird von uns sportlich und exakt durchgeführt. Nach 45 Minuten liegt bereits der vereinsamte Ost-Flughafen Schönefeld vor uns. Wir überfliegen die gut erkennbaren ehemaligen breiten Todes-Streifen im Süden der Stadt.

 ...so war es damals, von Checkpunkt zu Checkpunkt um nach Berlin Tempelhof zu kommen!!!

 

Mir fällt zufällig die grosse Ehre für Anflug und Landung (15.17) auf Piste 09-R des mitten in Berlin gelegenen Flughafens Tempelhof zu. Otto meint zwar, ich hätte gewiss schon im Birrfeld unsere Ablösungen entsprechend ausgerechnet....

Direkt am Pisten-Ende steht ein Erdwall mit Wohnblöcken dahinter. Wir rollen auf dem sich rund um den Platz ziehenden breiten Taxiway zum grossen Abstellplatz vor der riesigen überdachten Abfertigungs-Halle. Diese grosse Eisen-Konstruktion stammt aus der Nazi-Zeit 1938. Eine Ausstellung in der Halle erinnert an die Luftbrücke der Amerikaner während der russischen Blockade der Stadt (Transport von Kartoffeln, Kohle, Lebensmittel, etc mit den sog. Rosinen-Bombern). Der erst kurz zuvor freigegebene Flughafen ist noch nicht ganz auf die General-Aviation eingerichtet. Die Büros sind jedoch gut markiert und die Leute freundlich. Benzin und Lande-Taxen sind noch günstig: Fr. 26.60 inkl. Uebernachtung. Die Rechnung von DM 12.- für Flugsicherung folgte erst im März 1992.

Per Taxi geht's zum Verkehrsbüro. Wir buchen Zimmer im Hotel Basel. Auch hier nutzen wir ein Taxi für die Stadtrundfahrt. Wir sehen das Reichtags-Gebäude und bestaunen die ehemalige Zonen-Grenze. An einer Stelle steht ein Mauer-Rest mit Erinnerungs-Inschrift an die Opfer. Ueberall werden jetzt diese Reste mit deutscher Gründlichkeit weggeräumt. Das Geschäft mit Mauerteilen ist abgeflaut. Nur noch eine überbreite offene Grünzone erinnert an diese 1961 errichtete Todes- und Trennlinie. Und doch, hier, am wieder offenen Brandenburger Tor, hallen mir die Worte von Kennedy "ich bin ein Berliner" im Ohr wider.

Vor dem riesigen, wenige Jahre alten und trotzdem dem Abbruch geweihten (giftige Asbest-Isolation) Ost-Regierungs-Palast bestaunen wir einen verlassenen, alten aber echten Traby. Solche Fahrzeuge sind auch in der Stadt gegenwärtig und leicht an Form und Geruch erkennbar. Am Kurfürstendamm ragen alte und neue Gedächtnis-Kirche in den Himmel. Bald verspüren wir Hunger. Otto lädt uns zum Nachtessen nach West-Art ins Steakhouse ein. Eine ausgezeichnete Wahl.

 

Montag, 15.4.91 Berlin - Hamburg - Rotterdam

Den Morgen geniessen wir noch am Kurfürstendamm, schlendern durch das grosse Einkaufs-Zentrum und lassen uns für eine Weile bei den Brunnen vor der Gedächtnis-Kirche nieder.

Am Mittag geht's zum Flugplatz. Auf der Meteo beginnt der Ernst des Lebens wieder: eine sehr breite und aktive Front wird für Dienstag aus dem Norden erwartet. Also nichts wie weg in Richtung West. Wird es wohl in Süd-England oder der Bretagne besser sein ? Wiederum wird die "Spinnen-Netz-Fliegerei" intensiv vorbereitet. Heute ist Werktag und somit mit Militär-Flügen zu rechnen, was immer das auch heissen mag.

13.56 ist Otto am Steuer mit Werner am Funk startbereit. Gleichzeitig mit der Start-Freigabe erhalten wir eine völlig unerwartete Ausflug-Clearens über den xxx-See. Wir heben ab und bemühen uns, so etwas auf der Karte zu finden, ohne Erfolg, kein Check-point Nikolas-See eingetragen. So gehts dann im SW von Gatow hinein ins "Spinnen-Netz" auf max. 1500' über Grund. Wiederum meistern wir dies mit sportlichem Ehrgeiz. Wir überfliegen einen kleinen Grasplatz mit Agrar-Flugzeugen.

Ungewohnte Navigations-Hilfen für uns, sind die von Schleppern befahrenen Kanäle. Nach andauerndem Kampf Otto's gegen die Thermik und um exakte Einhaltung der Höhe erreichen wir den Autobahn-Knoten Hamburg-Ost.

Ausgezeichnete Führung im Anflug gegen den Dunst erhalten wir von Hamburg-Approach. Nur wenige Sekunden nachdem Otto absinken will, gibt der Controller die entsprechende Anweisung. Die Rechnung für Flugsicherung von DM 12.- folgte im März 92. Landung um 15.38 und Parking beim Satelliten für die General-Aviation. Rasch wird aufgetankt, denn wir wollen vom Wetter weg nach Westen.

Für die geplante Destination Amsterdam-Schipol bereitet uns die unerwartete Frage nach dem "Handling-Partner" Kopfzerbrechen. Auch das Personal kann keine Hilfe anbieten. So ändern wir kurzum dem Weiterkommen zuliebe unser Ziel auf Rotterdam um.

17.34 startet Werner. Der nahende Abend beschert uns einen sehr ruhigen Flug über Bremerhafen und die grünen Weiten Norddeutschlands. Die langen Strände scheinen kaum begangen zu sein. Wir wechseln hinaus, zu den ostfriesischen Inseln Wangerooge und bis Borkum. Ein wunderschöner Anblick bietet sich: Natur, Sandstrände, Siedlungen und natürlich auch Flugplätze. Da müsste man einmal hin, denken wir. Der Militär-Controller lässt uns der Küstenlinie entlang, über die holländischen Dämme fliegen. Dann gehts südwärts hinein in Richtung Hilversum und Rotterdam. Im abendlichen Dunst in Richtung West sind die Checkpoints über der Stadt nicht so leicht auszumachen. Wir landen um 20.10 in Rotterdam.

Ein Taxi fährt uns nochmals rund um den Flugplatz herum (Zusatz-Schlaufe ?) zum Hotel Scandia direkt am Hafen. Beim Suchen eines Beizleins wird uns plötzlich auf Schweizerdeutsch ein Restaurant empfohlen. Gleich hier an der Ecke aber geniessen wir gebratenen Lachs. Noch ein Stück gehen wir zu Fuss. Dann kehren wir ein zum Schlummerbecher. In der nahe gelegenen Bar gibt's einen umfassenden "Seemansdrink" mit allem "Komfort". Wer hier eine Kravatte trägt, kommt gewiss nachher mit einem leeren Geldbeutel raus....

Wie wird sich morgen das Wetter entwickeln ? Haben wir Chancen nach England zu kommen ? Mit diesen Fragen im Kopf geht's zur wohlverdienten Nachtruhe.

 

Dienstag, 16.4.91 Rotterdam - Le Havre - St.Nazaire

Die Wetter-Aussichten für England sind so schlecht, dass wir uns für den Süden entscheiden. Es beginnt zu regnen. Ich starte 12.46 mit Otto an der Seite Richtung Westen. Der ständige Verkehr der Lastkähne auf den Wasser-Strassen beruhigt die Nerven. Ein unaufhaltsamer Drang nach Sonne zieht uns der Küste entlang südwärts. Wir profitieren vom starken Rückenwind, bewundern die Häfen und die Steilküste. Schon liegt die riesige Baustelle des Kanal-Tunnels bei Calais unter uns. Die vielgleisigen Verlade-Rampen sind noch im Bau. Daneben ist die grosse längliche Baugrube des Tunnel-Eingangs klar sichtbar.

Le Havre fragt uns, ob wir uns mit der 2.Hälfte der Piste begnügen können. Bei diesem massiven Wind dürfte dies kein Problem sein. Nach starken Turbulenzen beim Ueberfliegen der Küstenlinie sinke ich steil über die Baustelle ab und lande um 14.58 kurz nach der Pisten-Mitte. Erst beim Aussteigen erkennen wir, wie stark der Wind hier bläst. Mit Erstaunen nehmen wir zur Kenntnis, dass der Zoll nicht avisiert ist. Bei einem zusätzlichen Blick in den Bottlang und unsere Notizen erkennen wir unsern Fehler: Zoll 6 Std. im voraus anmelden!!

Aber ein diplomatisches Telefon-Gespräch von "Madame" mit dem Zoll bereinigt die Situation in wenigen Minuten und wir sind entlastet.

Wo soll es nun hin gehen ? Wir ändern unsere Absichten laufend, angepasst an die Wetterlage. So kann Otto seine Planung auch immer wieder neu beginnen. Eine gute Uebung !

Schon 17.07 steigt Otto mit uns in die Luft. Wir sind auf 1500 Fuss in Richtung St.Nazaire unterwegs. Ich geniesse das bequeme Passagier-Leben auf dem Rücksitz. Auf dem Mont St.Michel im Atlantik sehen wir eine wunderschöne Kirche. Da jetzt Ebbe ist, kann die Strasse zu diesem Eiland hinaus befahren werden. Beim Foto-Halt (umkreisen der Insel) halten wir diesen Anblick im Bilde fest. Auf einem grossen Parkplatz bei Rennes entdecken wir eine riesige Menge Autos. Es handelt sich um ein Citroen-Werk.

Auf Werners Aufrufe in Rennes in klarem Englisch gibt es ganz hartnäckig nur Antworten in Französisch. Diese Probleme lösen wir durch internes Dolmetschern. Schon bald haben wir Kontakt mit St.Nazaire Approach. Die Sicht ist im starken Dunst schlechter geworden. In der Nähe von La Baule erwartet man von uns noch kurz eine Kontakt-Aufnahme mit dem Platz. Werner schafft auch diese Hürde.

Da wir bereits die grosse Loire-Brücke von St.Nazaire sehen, wird sofort wieder St.Nazaire Approach gerufen und Lande-Anweisung verlangt. Otto landet um 18.34 bei starkem Wind auf einem sehr leeren Flugplatz und rollt zum ebenso leeren zivilen Gebäude. Ueber Funk bestellen wir uns beim Tower ein Taxi, das uns in die Stadt und ins Hotel "La Belle Epée" bringt.

 

Mittwoch, 17.4.91 Ruhetage in St.Nazaire, Autofahrten in die Umgebung

Wir besichtigen per Mietwagen die grosse Spann-Brücke über die Loire, die wir aus der Luft entdeckt haben. Der Rest des Tages verläuft genau nach der Checkliste, die unsere Hotel-Chefin für uns ausgearbeitet hat.

Ständig begleitet von starken Winden besuchen wir zuerst den Fischerhafen in Portnichet. Darauf folgen wir der Küstenstrasse nach La Baule, das wir vom letztjährigen Ausflug mit Kurt bestens in Erinnerung haben. Zum Mittagessen sind wir in Le Croisic. Danach fahren wir quer durch die Ebene mit den Salzgewinnungs-Anlagen zur historischen Altstadt Guérande. Am Rande des grossen Naturparkes von "Grande Brière" besuchen wir Strohhäuser in Kherinet und die Anlegestelle für kleine Touristen-boote, mit denen man dieses Sumpfgebiet auf Kanälen durchfahren kann. Beim Nachtessen in St.Nicolas geht der Tag zur Neige.

 

Donnerstag, 18.4.91 Inselhüpfen von St.Nazaire bis Arcachon

St.Nazaire - Belle Ile - Quiberon -

La Baule - Ile d'Yeu - La Rochelle -

Soulac s.mer - Arcachon

Heute geht's wieder in gewohnter Manier weiter. 11.20 startet Werner und überfliegt das Natur-Reservat in Richtung Westen. Ganz deutlich erkennen wir die Fahrrinnen im grossen Sumpfgebiet. Wir überfliegen die eindrücklichen Megalithen-Reihen von Carnac und drehen südlich via Quiberon auf die Insel Belle-Ile. Wir merken, dass bei dem starken Wind die Landung in der Insel-Mulde nicht ganz einfach ist. Sie gelingt aber perfekt.

Nach einer kurzen Erfrischung packe ich das Steuer und versuche noch 2 Landungen, bevor's nach Quiberon weiter geht. Moralisch gestützt und starke widrige Winde erwartend fliege ich Quiberon an. Zu meiner Freude gelingen Anflug und Landung erstaunlich gut. So gestärkt packe ich auch noch die nächste Etappe zurück nach La Baule. Wir kennen den Platz bereits von unserer Ausfahrt her.

Die nächsten 2 Sprünge packt Otto an. Der eindrückliche Flug führt der Küste entlang und zur Insel "Ile d'Yeu" hinaus. Hier haben wir letzten Herbst mit Esther, Kurt und Anneliese 3 Ferientage auf dem Velo verbracht. Danach geht's zurück zum Festland nach La Rochelle.

Da Werner in unserer Zeitliste fhrt, darf ich nochmals das Steuer packen und zum einsam und ruhig an der südlichen Garonne-Mündung liegenden Soulac sur mer und anschliessend bis nach Arcachon fliegen. Ein interessanter Tag mit vielen schönen Flug-Aktionen geht zur Neige. Die HB-PAF wird vertaut. Wir fahren in die Stadt und hoffen auf grossräumige Wetterbesserung für unsere immer näher rückende Heimreise.

 

Freitag, 19.4.91 Ruhetag in Arcachon

Arcachon scheint heute der einzige Fleck in Europa mit schönem Wetter zu sein. Ueber Frankreich und der Schweiz scheint Kälte und Schneetreiben eigesetzt zu haben. Auch bei unserem Bummel zum Aussichts-Turm und durch die Stadt erwischen wir einige Tropfen Regen. Am Mittag gibt's einen kurzen Imbiss. Abends speisen wir ausgiebig im Hotel.

 

Samstag, 20.4.91 Arcachon - Vienne - Lyon-Bron

Der Wetterfrosch in Bordeaux will vorerst nichts von VFR-Wetter wissen. Erst auf meine Frage, ob es via Loire oder über Toulouse besser sei, rückt er heraus mit dem aktuellen Wetter und dem TAF (18Std. Vorhersage). Wir beschliessen, uns in Richtung Toulouse schrittweise voranzutasten. Falls das Wetter schlecht werden sollte, können wir immer noch umkehren.

11.12 darf ich unter dem Kommando von Otto das "Cleared for take-off" bestätigen. Wir statten zuerst der über 100 m hohen Sand-Düne von Pilaz einen Besuch ab. Das Wetter bis Agen ist gut. Auf dem Weg nach Toulouse wird es zunehmend dunstiger, aber gut fliegbar. Die Navigation bietet keine grossen Schwierigkeiten, denn es gibt genug Funkfeuer und wir folgen der Garonne.

Das Wetter entspricht immer noch der Vorhersage. Toulouse meldet uns für Montpellier CAVOK und Montelimar 7/8 auf 2000'. Also fliegen wir weiter. In Richtung Carcasonne wird die Sicht wieder besser. Wir fliegen via Bezier, überfliegen Montpellier 13.20 und drehen auf Kurs 030 Richtung Montelimar. Für Lyon meldet man uns nun 6 km Sicht mit 7/8 Bewölkung auf 1000 Fuss (nicht so gut). Wir fliegen nun der Rohne entlang nördlich. Bei Montpellier entscheiden wir, trotz dunklem Deckel noch weiter zu versuchen. So geht's bei Regen an Valence vorbei.

Wir haben bereits Kontakt mit Lyon-Bron. Der Controller verlangt von uns ausdrücklich VMC beizubehalten. Bei der Stadt Vienne wird das Tal enger, die Wolken drücken uns weiter nach unten. Wir fliegen einen Vollkreis und überlegen. Schon meldet Werner von hinten, dass es da unten einen Flugplatz gibt, streckt die Landekarte nach vorn und fragt, ob wir da runtergehen wollen. Wir melden uns ab bei Lyon und beantworten seine Frage, ob wir den Flugplatz Vienne in Sicht haben, positiv.

17.05, nach 3.34 Std. landet Otto in Vienne bei strömendem Regen. Wir rollen zum Gras-Abstellplatz und schlüpfen in der familiäre Atmoshäre der Klubhütte unter Dach. Wir werden gut aufgenommen, erzählen von unserer Reise und können schon 2 Stunden später bei besserem Wetter nach Lyon weiterfliegen. Für heute setzt uns die Meteo aber Grenzen. Es wäre unvernünftig, nach Genf zu fliegen. Für morgen ist jedoch eine Besserung zu erwarten. Also fahren wir in die Stadt und essen Pizza.

 

Sonntag, 21.4.91 Lyon-Bron - Genève - Birrfeld

Die angekündigte Wetterbesserung ist eingetreten. Werner nimmt um 11.09 Kurs in Richtung Genf. Am Himmel hängen vereinzelte schwere Wolkentürme. Durch die sichtbar feuchte Luft geht's südlich von CBY-VOR zum Sierra-Punkt von Genf. Wir haben schon früh Kontakt mit dem Tower. Aber auf einer unserer letzten Etappen passiert uns nun noch ein Schönheits-Fehler. Wir fliegen zu südlich, sodass uns Madame auf den bereits vor uns liegenden Flugplatz

Annemasse aufmerksam macht. Wir biegen ein via Springbrunnen auf den Platz, Landung 12.06. Ein "Tolggen" in unserem Reinheft ??

Die letzte Etappe fliege ich via Schüpberg-NDB. Wir staunen, dass die Schneefälle in den Lagen um Schüpberg noch sichtbar sind. Es muss also im Norden doch ziemlich kalt gewesen sein. Die grosse Vorsicht wegen allfälliger Schneefälle war nicht umsonst.

13.20 zurück im Birrfeld. Um einige Erlebnisse und Erfahrungen reicher. Wiederum hat unser Zusammenleben bestens funktioniert. Wir schätzen diesen Wert sehr hoch ein. Auch interessante neue Ziele haben wir entdeckt, packen wir diese in einem nächsten Flug an ? Vorerst wird die brave und zuverlässige PAF vertaut. Ein Schluss-Trunk stärkt uns vor der letzten Etappe "heim zur Familie".

Der Berichterstatter Fredy Klauser

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