PAF-Fluggruppe

LSZF Birrfeld CH

 

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(Rückblende Flugreisen)


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Flugreise

Österreich-Ungarn-Slowakei-Polen-Tschechei 

19. bis 27. Mai 1993

 

 

Zwischenlandungen in:
Linz-> Wien-> Budapest-> Kiliti-Siofok-> Pecs-> Szeged-> Békéscaba-> Debrecen-> Maklar-> Budapest-> Sliac->
Kosice-> Tatri/Poprad-> Krakow-> Warschau-> Katowice-> Ostrava/Mosnov->
Brünn-> Linz-> Altenrhein-> Birrfeld

 

 

Piloten:
Werner Hartmann, Alfred Klauser, Otto Juchli


Flugreisebericht

 

Montag 17.5.93 Vorbereitungen Birrfeld und Zürich

Besuch am Abend bei der Meteo in Kloten. Von den vier am Sonntag 16.5. bei Otto vorbereiteten Reise-Varianten:

Italien - Griechenland

Portugal - Gibraltar

England - Irrland

Ungarn - Slowakei

bleiben aus Wetter-Gründen ganz klar die Varianten Ostblock und Griechenland übrig. Die Reise nach Griechenland ist nur möglich, wenn die Alpen offen sind. Wir gehen ins AIS und kopieren uns vor allem Unterlagen aus Ungarn und Tschechei / Slovakei. Zu spät realisieren wir, dass ein Bottlang-Teil für diese Länder besteht, der uns besser vertraut wäre. So sind wir für den Start am Mittwoch gerüstet.

 

Mittwoch 19.5.93 Birrfeld - Linz - Wien/Schwechart

Am Morgen herrscht überall emsiges packen. Aufbruch kurz nach 10 Uhr ins Birrfeld und Detail-Entscheid über die Route fällen. Da die Alpenübergänge wegen Föhntendenz nicht offen sind, entscheiden wir uns für den Osten. Rosmarie Hartmann liefert die übliche Bordküche mit Sandwiches und Getränken. Sie springt auch ein und holt das vergessene Ladegerät zum Handfunk. Flugplan nach Linz, volltanken und einladen geht nach Plan. Ladegraphik von Otto ist genehmigt, da positiv. Otto's viereckige Reisetasche, die fortan "Klavier" genannt wird stellen wir auf den hintern Sitzplatz und darauf alle schweren Gepäckstücke. Dies bildet für den Passagier eine breite und sehr komfortable Armlehne.

12.20 Uhr Start im Birrfeld und auf üblicher Route via KPT - EUR - SBG geht's los. Otto hat das GPS vorzüglich vorbereitet und mehrere zusätzliche Batteriesätze bereitgestellt. Es soll uns zur einwandfreien Kontrolle unserer Navigation dienen und dafür bietet sehr viele Informationen an. Die TMA Salzburg können wir bequem auf 3500 Fuss passieren. Via Militärflugplatz geht es bequem direkt auf den zivilen Linz-Airport zu.

Die HB-PAF wird aufgetankt. Die Vorbereitung im AIS zeigt für Wien eine interessante Spezialität: da die Piste 12 in Reparatur ist, besteht auf Taxiway O auf 600m eine provisorische Piste 12L. Das AIS kopiert uns freundlicherweise gleich das prov. Plänchen heraus.

Im Restaurant gibt's als Ergänzung zur genossenen Bordverpflegung eine kleine Erfrischung (Otto, kann als künftiger Pax gar ein Bier trinken !!!). Weiterflug via Stockerau-VOR, auf dem Funk sprechen wir mit Wien-Info. Wir wechseln entlang des Militärplatzes auf Tulla-TWR, danach zurück auf Info und schlussendlich auf Wien-TWR. Für die Landung wird uns Piste 16 vorgegeben. Aber querab des Donauturmes kommt der TWR mit der Frage, ob wir mit der prov. Piste 12L vertraut seien, auf uns zu. Eifrig setze ich mit für diese Variante ein, und bestätige, dass wir sogar einen Plan mitführen. So kann ich für Werner einen Anflug auf 12L erreichen. Er landet sauber auf dem nur 600m langen Stück. Die Bemerkung des TWR, dass wir das Fahrwerk kontrollieren sollen, da er beim Aufsetzen einen "little smoke" gesehen habe, stecken wir ungläubig ein. Sie erweist sich nach dem Parking in Sektor 1 auch als gegenstandslos.

Vor dem Verlassen des Platzes fahren wir vom GAC hinüber ins AIS im Haupt-Gebäude und erkundigen uns nach den aktuellen Bedingungen für den Einflug in Tschechei, Slowakei und Ungarn. Wie schon auf einer früheren Reise werden wir VFR-Flieger hier vorzüglich beraten. Die Antwort ist "Kein Problem, Flugplan mit Name und Pass-Nr des Piloten genügt". So schleppen wir unser Gepäck weiter zum Reservations-Büro für das Hotel. Wir buchen und bezahlen direkt für Hotel und Taxi. Das Hotel "Tigra" liegt im Zentrum Wiens. Abends gibt's einen kurzen Bummel in der Fussgängerzone, dabei in einem schönen Innenhof Bier und Bräzel. Zum Nachtessen steigen wir in den "Katakombenkeller" hinunter. Beim Treppensteigen beichtet uns Otto sein Problem: den Hosengurt hat er vergessen. Ich leihe ihm morgen meinen. Schlagartig wird uns klar, dass darin die Ursache für seine holperige Landung in Linz liegen muss: wer kann schon mit einer Hand die Hose ständig heraufziehen und gleichzeitig mit der andren noch fein landen......

 

Donnerstag 20.5.93 Wien - Budapest - Kiliti/Siofok

Gegen Mittag geben wir im AIS den Flugplan für Budapest auf. Wir tanken voll und zum Start geht's ab Piste 16 mit left turn out. Das Angebot des Controllers, uns direkt auf den Grenzpunkt "Kelan" zu führen, nehmen wir dankend an. Dort wechseln wir auf Budapest-Info 125,50. Es wird viel und ausführlich gesprochen, jedoch alles in klarem sauberem Englisch. Die Höhe 3500 Fuss bis "Torno" wird uns bestätigt, erst bei Molnar, 2 Min. vor dem Platz, müssen wir auf 2000 Fuss absinken.

Nach der sauberen Landung auf der Piste 13R, rollen zum Abstellplatz des Flughafens Feriheigh-1. Auf dem Parkplatz werden vom Personal sofort Sandsäcke und Stricke zur Uebernachtung befestigt. Ein flottes Mädchen fährt uns mit modernem Chrysler-Bus zum GAC.

 

Wir haben die Absicht, heute noch ein Stück weiter zu fliegen. Im AIS treffen wir eine Gruppe Schweizer, die auf ihre Hotelzimmer warten. An unser Ohr flattert aus dem Raum der Name "Odessa" und bohrt sich eigenartig in unserem Hirn fest. Wo liegt das denn ? Könnte man nicht auch dorthin fliegen ? Vorerst bleiben wir aber auf dem Boden der Realität. Wir planen den Flug nach Kiliti am Plattensee. Ein Flugplan ist für jeden Flug obligatorisch. Schon 16.50 sind wir in der Luft. Werner sucht einen beim Start neu zugeteilten Meldepunkt "Pusta" und meldet diesen (mehrmals). Für den Vorbeiflug an einem Militärplatz gibt man uns auf die Frequenz 129,00. Aber kurz nach 17 Uhr will der Mann nichts mehr von uns hören. So schalten wir auf Kiliti um und erhalten da klare Lande-Information. Mit einer Hand am Gas (und der andern nicht mehr an der Hose) schleppt Otto die HB-PAF über die ersten 600 m ungemähte Wiese und setzt fein auf dem kurz geschnittenen Rest der 2500 m langen Graspiste auf.

In Kiliti heisst uns ein Flieger-Kollege, Reiseleiter von Neckermann, auf Oesterreichisch willkommen. Wir erkundigen uns bei ihm über das Fliegen in diesem Land, denn im AIP Ungarn sind nur gerade 3 Plätze publiziert. Er weiss nur positives zu berichten, die Leute sind hilfsbereit und sprechen gut englisch. Informationen werden wir hier im AIS bekommen.

Per Taxi geht's zum 13stöckigen Hotel Pannonia in Siofok am Blattensee. Noch vor dem abendlichen Bier steige ich mutig ins "tiefe" Wasser und mache einen Demonstrations-Schwumm. Zum Nachtessen setzen wir uns in einem Restaurant im Freien unter die Bäume und speisen zum Klang der Tanzmusik.

 

Der Verdauungsbummel führt uns ins Zentrum des Ferienortes. Mit 100 Fr. spielt Werner am Noten-Wechsel-Automat und.... gewinnt. Wir sind überzeugt von diesem fortschrittlichen Gerät und besitzen in Werners Bank wieder genug ungarisches Bargeld. Den Schlummerbecher gibt's in der Hotel-Bar im 13.Stock. Unsere Zimmer liegen im 12. direkt am "windigen" Gang mit der zerschlagenen Glastüre. Also aufgepasst auf dem Heimweg !

 

Freitag 21.5.93 Kiliti - Pecs/Pogany - Szeged - Békéscaba

Schon/erst um 9 Uhr geniessen wir ein komfortables Touristen-Frühstück. Auf dem Flugplatz stehen nur 3 Flugzeuge. Uns geht's nun um die allgemeine Planung der Flüge in Ungarn. Durch die anwesenden Helfer im AIS erhalten wir eine vorzügliche Unterstützung. Sie erstellen uns auf dem Fax sogar Kopien von Flugplatz-Karten aus dem hier verfügbaren Bottlang-ähnlichen Handbuch. Auf diesem Platz haben wir aussergewöhnlich gute Informationen erhalten. Die Verfügbarkeit von 100LL auf unsern möglichen Zielplätzen klärt man für uns ab. Wir führen für uns eine Liste der Plätze mit ICAO-Kürzel, geogr.Lage (für unser GPS), Pisten-Art mit Richtung und Länge, sowie Platz-Frequenz und Benzinart. Neu für uns ist, dass es nicht von jedem Platz eine Karte gibt. Aber mit diesen Angaben kann man einwandfrei anfliegen.

Der Flugplan wird per Fax übermittelt. Bald kommt auch die tel.Bestätigung, dass er in Ordnung und der Zielplatz ok ist. So heben wir 11.39 LT vom Platz ab. Wir legen die angemeldete Runde über den langgezogenen Plattensee ein, bewundern die vielen Ferien-Residenzen von alten Parteien und neuen Unternehmen und drehen ab in Richtung Süden. Ueber einer leicht ansteigenden Hügellandschaft gibt's leichte Turbulenzen. Unser Horizont beginnt zu tanzen und steigt aus. Es ist ein ähnliches Verhalten, wie vor der Reparatur im letzten September. Dadurch wird aber auch der Autopilot unbrauchbar. Vor dem Anflug auf Pecs überfliegen wir eine grossflächig angelegte Ortschaft mit Bergwerk und Rangierbahnhof. Das von Otto wiederum bestens vorprogrammierte GPS bestätigt Distanz in Meilen und Minuten mit Heading zum Platz. Wir schätzen dieses Gerät immer mehr, und GPS-Freak Otto entlockt im auf unserer Reise laufend weitere Informationen.

In Pecs herrscht Querwind aus 240 Grad. Im breiten Areal ist die Markierung der Pistenschwelle nur schwach zu erkennen. Richtung nach Information, Gutdünken und Beschaffenheit des Grases. Wir haben kaum den Parkplatz erreicht, steht schon jemand da, heisst uns willkommen und bietet uns seine Hilfe auf dem Platz an. Würde wohl so etwas nicht auch im Birrfeld bei fremden Gästen sehr gut ankommen ?? So können wir zielgerichtet neu planen, Taxen bezahlen und den Flugplan erstellen. Beim Telefon besteht allerdings im Moment ein Problem, denn die Leitung ist unterbrochen (wie uns in Kiliti angekündigt worden ist !!). So werden wir denn unsern Flugplan per Funk nach dem Start bei Info absetzen. Auf dem Platz herrscht Festbetrieb. Helikopter und Ultraleicht's sind da. Ein GPS mit "moving map" von ausgezeichneter Karten-Qualität auf dem PC-Bildschirm kann im Hangar bewundert werden. Dazu soll in ein paar Monaten auch ein gutes einbaubares Display verfügbar werden.

14.14 Uhr Start in Pecs. Wir rufen die Info auf und geben unsere normale Flugmeldung durch. Unsere Angaben werden geprüft. Da unsere geplante Route sehr nahe an der Grenze zu Jugoslawien verläuft, weist uns der Controller an, mehr landeinwärts über die Ortschaft Janoshalma zu fliegen. Nach 40 Minuten steuern wir bereits Szeged an. Hier scheint zum ersten Mal niemand mit guter engl.Voice am Funk zu sitzen. Wir landen ohne Probleme. Auch hier fällt uns die sofortige sympathische Hilfe wieder auf. Man kümmert sich um uns. Wir können sogar 100LL tanken und mit Schweizer Geld anhand des Wechselkurs-Beleges aus Siofok bezahlen ! Wir parken neben 2 grossen 1-motorigen Antonows im Gras zu einem Foto-Stelldichein. Es herrscht wenig Segelflug-Betrieb. Unser Betreuer schleppt zwischendurch quer durchs Steppen-Gras einen Segler in die Höhe. Im noch in Entstehung begriffenen Gartenrestaurant führen wir bei eisgekühltem Sprite unser weitere Planung durch. Unser Betreuer gibt den Flugplan auf und leitet die Bestätigung an uns weiter.

Schon nach 90 Minuten nach der Landung geht es weiter nach Békéscaba. Auch auf dieser 30-minütigen Strecke bewährt sich die terrestrische Navigation mit Kompass und Zeitmasstab. Die Kontrolle unterstützt das von Otto mit den Flugplan-Daten gefütterte GPS bestens.

17.05 Graslandung in Békéscaba und kurz darauf ist auch der Flugplatzchef am Flugzeug und bietet seine Hilfe an. Nach wenigen Minuten hat er einen deutsch sprechenden Landsmann zur Seite, der uns auf Deutsch begrüsst. Eine aussergewöhnliche schöne Geste !! Es ist der Begleiter einer deutschen Touristengruppe, ein Angestellter des Park-Hotels in Gyula, der uns auch gleich sein Haus empfiehlt. Die Gruppe ist gerade dabei, ihre Luft-Taufe mit einer Antonow zu sehr günstigem Preis zu bestehen. Der Neckermann-Mann in Kiliti hat uns in Gyula das Agro-Hotel empfohlen. So fahren wir in diesen nahen Ort und quartieren uns neben dem Agro- im Park-Hotel ein. Es ist ein moderner Bau und bei 60.- Fr. für die 2 Zimmer mit Frühstück nicht zu teuer. Die schönen Zimmer verfügen über einen hübschen Erker mit Fenster. Die Dame am Empfang zeichnet uns für den abendlichen Ausgang einen Ortsplan mit Empfehlungen für Nachtessen und Nachtleben.

Das Essen im Kellerlokal ist preiswert (total 20 Fr.) einfach und gut. Den Kaffee geniessen wir auf der überdachten Veranda der "Ti Amo Bar" am Fluss (Mücken !!). Natürlich besuchen wir auch die beste Disko am Platz. Anfänglich trinken wir in Ruhe ein Bier, bis dann, zur Stunde X die leistungsfähige Lautsprecher-Anlage zu pauken beginnt uns förmlich durchzurüttelt. Wir betrachten den Tanz flotter Bienen noch einige Zeit und schliessen den Abend nach einem Kaffee in der nahen Keller-Bar mit dem kurzen Spaziergang zum Hotel ab.

Am Morgen, gegen 8 Uhr, prasselt ein Platzregen nieder und veranlasst uns, "ausnahmsweise" noch eine weitere halbe Stunde liegen zu bleiben. Es ist der erste Regen auf unserer Reise und kühlt die Luft angenehm ab. Das Morgenessen wird uns besonders in Erinnerung bleiben, weil wir hier einmaligen Milchkaffee erhalten. Er ist fertig zubereitet, leicht süss und bei Otto sogar mit "Nidel-Ueberzug", (für ihn ein "Hals-Klemmer") versehen. Ich geniesse diese Landes-Spezialität. Auf die Nachbestellung von schwarzem Kaffee wird dieses starke Konzentrat in kleinen Tassen serviert, zusammen einem Glas Wasser als "Verdünner".

 

Samstag 22.5.93 Békéscaba - Debrecen - Maklar/Eger

Derart gestärkt treffen wir auf dem Flugplatz ein. Für die Vorbereitung können wir hier nicht auf den sog. "Ungarn-Bottlang" zurückgreifen, schreiben uns aber die Flugplatz-Informationen mit ICAO-Kürzel, Geogr.Lage (für GPS), Pisten-Angabe und Funk-Frequenz aus den verfügbaren Unterlagen heraus. Die Angaben über Verfügbarkeit von 100LL, sowie die Oeffnungszeit und Lande-Bewilligung werden für uns telefonisch abgeklärt. Wir entscheiden uns für Debrecen, eine ehemalige russische Militär-Basis mit 2300m Betonpiste. Dass wir keine Anflugkarte erhalten ist für uns noch neu und ungewohnt, aber wir werden erfahren, dass es ganz gut auch so geht. Wir nutzen die Verfügbarkeit von 100LL zum Tanken. Dabei beobachten wir, wie nach uns 100LL in ein 200-Liter-Fass auf einem improvisierten Angänger getankt wird. Man weiss sich hier ganz gut zu helfen und zu dem begeherten Benzin zu kommen. Es ist deshalb auch öfter als publiziert auf den Plätzen zu bekommen.

Wir starten um 12.25 in Békéscaba auf Gras. Die klassische Navigation mit Kompass und Minuten-Masstäbchen, steht unter scharfer Kontrolle durch Otto's GPS, das uns unerbittlich den exakten Kurs über Grund, sowie die Ground-speed anzeigt. Beim starken Wind aus westlicher Richtung sind diese Informationen sehr hilfreich. Der Funkverkehr mit Info ist einfach und klar. Nur die Verbindung mit Debrecen-TWR kommt erst im Final richtig zustande. Die Landung erfolgt auf der neuen Piste 23L, da die Betonplatten der alten Pisten nicht mehr benützbar sind. Eine grosse Zahl von nicht mehr verwendeten militärischen Unterständen sind auf dem Platz verstreut. Eine auf mehrere Fahrzeuge verteilte Radar-Anlage steht auf kleinen Erdwällen und ist mindestens mechanisch in Betrieb.

Auf dem Apron von Debrecen kommt der Platz-Chef zu unserm Flugzeug und fragt nach unsern Bedürfnissen und Plänen. In der Nähe steht eine einmotorige Antonow, die für ein junges Brautpaar soeben die Lufttaufe beendet hat. Neben uns parkt eine ungarische 2-Mot und wird aus einem Fass-Anhänger (wie wir einen in Békéscaba gesehen haben) mit 100LL manuell aufgetankt. Sonst ist der Apron leer. In der Woche sind heute bereits bis zu 7 Privat-Flugzeuge abzufertigen, mit einer Steigerung wird gerechnet. Wie man uns erklärt, haben die Russen den Platz vor knapp 2 Jahren verlassen. Der Blick in ein schmutzig und traurig aussehendes ehemaliges russisches Gebäude, gibt den Eindruck, als ob es vor über 40 Jahren erstellt und bereits seit über 10 Jahren nicht mehr benutzt worden wäre. Der Kommentar des Platzchefs verbessert diesen Eindruck keineswegs, die Entsorgung der verschiedenen russischen Erbstücke obliegt nun den Ungarn und wird einiges kosten.

Auf dem grossen Tower ist der Controller anwesend und führt das AIS. Nach verschiedenen telefonischen Abklärungen entscheiden wir uns für den Flug nach Maklar, das in der Nähe der Weinstadt Eger liegt.

Nach dem Start 12.05 fliegen wir, meistens der Bahnlinie entlang, über die riesige Ebene der "Putzta" mit ihren Seen, vereinzelten Höfen und kleinen Dörfern. Beim Touristen-Dorf Hortobagy fallen die modernen Touristen-Häuser, der Bus-Bahnhof und die Pferdewagen und Reitergruppen auf, die wir aus 1000-1500 Fuss gut beobachten können. Eine Gänsefarm schauen wir uns etwas näher an. Die begeisterten Gänse kommen in Bewegung, die weniger begeisterten Landwirtsleute versuchen es mit Gegen-Bewegung. Ob wohl heute diese Gänselebern einen mageren Strich bekommen haben ? Ein Fall für den Kassensturz.... ??

Wir geniessen die Weite und Menschenleere dieses Landstriches. Beim Passieren des Tisza-Flusses verabschiedet sich die Info und weist uns an Maklar weiter. Ein Funk-Kontakt kommt noch nicht zustande. Wir suchen den Grasplatz mit der 800m-Piste. Aber Otto und GPS sagen, dass wir noch eine Ortschaft zu früh suchen. Also weiter ins nächste Dorf. Richtig, hier liegt die breite Wiese mit zwei X-förmigen darin sichtbaren Pisten. Es herrscht Segelflug-Betrieb. Am schwachen Funk wird in gebrochenem Deutsch auf den Winden-Betrieb und den stark böigen Querwind aufmerksam gemacht. Entsprechend wähle ich die Landerichtung und bringe die HB-PAF sauber im hohen Gras zu Boden. Sie wird nach den Aussagen meiner mitfühlenden Kollegen nun zum Rasenmäher umfunktioniert, bis wir unsern Weg zum Parkplatz neben Agrar-Flugzeugen gefunden haben. Ganz so schlimm war's nicht (Log-Eintrag des PIC).

Der Platz-Beamte kommt aus dem Wärterhäuschen (mit Barriere) zu uns. Er kann uns bezüglich Flugbetrieb kaum helfen, bestellt für uns jedoch ein Taxi zur Stadt. Inzwischen ist der Chef-Fluglehrer vom Segelflug-Betrieb herüber gekommen. Er ist auch Chef des neu gegründeten Klubs und heisst uns auf Deutsch willkommen. Er war früher mal in Altenrhein zu einem Testflug mit der Bravo. Heute ist er immer noch mit Leib und Seele Pilot, ein Pilot der alten Schule und engagierter Förderer der Fliegerei. Seine jungen Schüler räumen die Segelflugzeuge in den Hangar, denn der böige Wind erlaubt keine weiteren Schulflüge. Unsere Landung wird gerühmt. Für morgen will er uns bei den Vorbereitungen und bei der Abwicklung des Flugplanes mit Telefon und Fax im Club-Büro zur Seite stehen. Für unsern Aufenthalt empfiehlt er uns ein Hotel in Eger und zum Nachtessen sollen wir im "Tal der schönen Frauen" einen Weinkeller besuchen. Unterdessen ist das Taxi angekommen. Es wird zur HB-PAF dirigiert, beladen und ab gehts nach Eger.

Leider ist das empfohlene kleine Hotel belegt. So ziehen wir im grossen Hotel Eger ein. Per Taxi gelangen wir abends in das Tal der schönen Frauen und entdecken über 20 in die Felsen gehauene Weinkeller, die zu Wirtshäusern umfunktioniert worden sind. Nachdem wir uns einen Ueberblick verschaft haben, folgen wir dem Klang einheimischer Musiker (Geige, Zitter und Gesang) in einen Felsenkeller. Beim süssen Wein (rot und weiss) geniessen wir ein gutes einfaches Essen. Die einheimischen Gäste beginnen zu singen. Es kommt zu einer Art fröhlichem Wettstreit zwischen zwei Gäste-Gruppen. Für den Schlummerbecher kehren wir an die mit einer eiskühlen Barmaid bestückte Hotelbar zurück. Auch heftiges Augenrollen und Wimper-Klimpern kann uns nicht von einem Kurzbesuch der nahen Grillbar abhalten.

Nach dem Abend unter dem Motto "wenn Wimpern klimpern und der Eisberg reizt" liegt am Morgen in Werners Bett ein müder Körper in der Stellung "Tote Fliege", der sich kaum mehr bewegen will und jede freie Minute zum Nachschlafen nutzt. Er wird heute nur knapp zum Passagier taugen. Aber schon am relativ frühen Morgen beginnt vom Bett aus unaufhaltsam Ott's batterie-gespiesenes GPS zu piepsen und treibt uns auf den Flugplatz.

 

Sonntag 23.5.93 Maklar/Eger - Budapest

Der heutige Barrieren-Wärter erinnert sich wohl noch an seine Bedeutung vor der Liberalisierung und versucht gebieterisch die Fahrt des Taxis zu unserer HB-PAF zu verhindern. Unser Taxi-Fahrer gewinnt den Machtkampt. Wir beladen unsere Maschine wieder nach bewährtem Muster unter der strengen Kontrolle unseres heutigen PIC's Otto, der zwischendurch mit respektvollem Blick zum Windsack und zum dürren Gras auf der Piste schaut. Der Schulbetrieb des Klubs ist bereits in vollem Gange. Der Chef-Fluglehrer kommt zu uns und bittet uns ins Club-Büro zur Flugvorbereitung. Per Fax geht der Flugplan weg. Wenig danach wird per Telefon das Ok und die Freigabe (QNH-1019, Flughöhe 2'000 Fuss, Squawk-6311) eingeholt. Aus den Bemerkungen unseres Beraters entnehmen wir, dass er wohl noch nie selber ins nahe Budapest zum "grossen Flughafen 1 oder 2" geflogen ist. Seine Einstellung zum GPS und zur neuen Flugkarte ist eher distanziert. Er hat eine eigene Karte an der Wand hängen. Die Frage nach der Landetaxe wird mit dem Hinweis, man solle nicht überflüssig fragen, und wir Fliegerkollegen sollen zusammen halten, abgetan.

Nach einer kurzen, aber herzlichen Verabschiedung rollen wir durchs Gras zur Piste. Der aktuelle Wind und die Zeichensprache des Club-Chef veranlassen uns, die andere Pisten-Richtung zu wählen. Backtracking auf 33. Otto's Sorgfalt verhilft zu einem problemlosen Start im Gras. Mit dem einzigen Handfunkgerät auf dem Platz (die alte Station im Gebäude ist nicht brauchbar) wird uns ein guter Flug gewünscht. Wir sagen dankend bye-bye und wechseln auf 133.00 Info. Auf 2000 Fuss gehts über Land via Punkt "NORA" zum VOR-TPS. Hier schickt uns der Approach auf Kurs 150, später auf 290 und führt uns so in den Final der Piste 31L. Otto legt eine so superfeine Landung auf Asphalt hin, dass dabei nicht einmal unser übermüdeter Passagier erwacht ist.

Nach kurzer Meldung in den uns bekannten AIS-Räumen gehts per Taxi zum mondänen Hotel Korona. Ein Bummel durch die Altstadt führt über die Donaubrücke und zur Seilbahn, die uns hinauf zum Burghügel bringt. Wir bestaunen die grossen Befestigungs-Anlagen und die Integration des modernen Hilton-Hotelbaus. Nach kurzem Souvenir-Einkauf gehts per Taxi zurück. Zum Nachtessen finden wir uns wieder in einem Kellerlokal in der Fussgängerzone der Altstadt. Otto hat heute 2-fach gelitten: zuviel zu Fuss marschiert und vieeeeel zu wenig geflogen (nur 37 Minuten !!). Also ist, nachdem nun endlich zuhause angerufen werden kann, bald für alle frühe Bettruhe angesagt.

 

Montag 24.5.93 Budapest - Sliac - Kosice - Tatri/Poprad

Die Vorbereitungen laufen im uns bereits vertrauten AIS. Unsere HB-PAF ist wie immer an der Wandtafel eingetragen. Die Meteo-Dame sagt, dass wir zwischen 2 Hochdruck-Zentren liegen und keine wesentlichen Aenderungen zu erwarten sind. Ein Blick auf das TAF zeigt, dass noch nicht alle neuen Kennungen aus der noch kaum jährigen Slowakei klar und richtig sind. Ein Flug dahin ist aber ohne Probleme zu machen.

11.53 starten wir und werden danach vom Approach sauber zum Grenzpunkt "BALAP" geführt. Wegen der geringen Höhe von 3500 Fuss kommt noch kein Kontakt mit Sliac zustande. Bratislava-Info ist hingegen gut erreichbar, es weist uns an Sliac-Approach. Bald klappt der Funk-Kontakt und beim Ueberflug von VOR SLC, also 5 Min. vor dem Platz, mit Piste in Sicht, erhalten wir zu unserer Verblüffung bereits das "clear to land runway 36". Auch hier sind auf dem Apron mit Zöllner, Damen und Herren schon 5 Personen zu unserem Empfang bereit und fragen nach den Wünschen. Sliac ist ein Trainingsplatz für's slowakische Militär. Heute ist kaum Betrieb. Von der Piste her vernehmen wir jedoch Jet-Lärm. Was ist denn das ? Zu unserer Ueberraschung entdecken wir einen Lastwagen mit einem aufgebauten Jet-Triebwerk. Es ist schräg nach unten gerichtet und der Wagen fährt Rollweg und Piste ab in der Funktion als "Staub-Bläser".

Während wir auf die Ankunft des Zöllners warten, bereiten wir uns auf die erste Etappe in Slowakien vor. Zum Mittagessen setzen wir uns ins kleine Restaurant. Da wir kein Slowakisches Bargeld haben, muss Werner, unser Bankier, vor der Bestellung mit der Frau Wirtin die Zahlungsmöglichkeiten abklären. Sie ist gewillt, einige Dollar in slowakische Kronen zu wechseln. Bei der Menü-Bestellung reichen unsere Tschechisch-Kenntnisse (= 0), aber auch Ihre Deutsch-Kenntnisse nicht ganz aus. So wird uns denn mit einer Skizze erklärt, dass heute neben Ham and Eggs auch "zerhacktes Steak" auf der Karte steht. Wir nehmen abwechselnd das gute Essen zu uns, da vermutlich nur 1 Bratpfanne in der Küche in Betrieb ist. Dann gehts um den Wechselkurs, den hier niemand kennt. Aber ein Blick auf eine Zeitung lässt uns hoffen. Richtig, Frau Wirtin findet die entsprechende Tabelle und die Wechselstube kommt in Funktion. Motto "Wechseln by Werner Banking and Correspondings". Die Mahlzeit ist preiswert und so bleiben uns noch einige Not-Kronen für die nächsten Aktivitäten übrig.

14.05 starten wir mit dem Ziel Kosice. Wir steigen in Richtung Osten auf 4500 Fuss und überfliegen die südslowakischen Gebirge. In Richtung auf Kosice zu wird es wieder flacher. Wir melden uns bei Kosice-Approach auf 119,85, den wir jedoch erst 40 Meilen vor dem Platz sauber empfangen können. Auch das VOR KSC können wir nicht früher benutzen und verlassen uns deshalb auf die klare Anzeige unseres GPS. Die nächste Meldung wird von uns 40 km (!!) vor dem Platz verlangt, wo man uns auf militärische Trainings-Flüge aufmerksam macht. In der Ebene vor dem Flugplatz steht ein grosses rauchendes Stahlwerk. Bald ist die 3 km lange Piste für uns frei. Ich wähle die Mitte zum Aufsetzen, danach müssen wir jedoch noch ein Stück bis zum Taxiway B ausrollen. Für Parking erhalten wir Stand 1. Wir sind auch das einzige private Flugzeug hier. Militär-Maschinen und Agro-Flugzeuge stehen auf besonderen Plätzen. In der Luft können wir das Training der slowakischen Kunstflugstaffel mit 4 Alphajet (?) verfolgen. Hier ist die militärische Flug-Akademie des Landes stationiert.

Wir können 100LL auftanken für 0.91$ je Liter und mit US$ bar bezahlen. Für die Landetaxen von 29,40$ wird die Kreditkarte akzeptiert. Um 16.18 starten wir in Richtung 310°. Die Grösse und Bauart der Stadt bestaunen und fotographieren wir im Vorbeiflug. Das Landschafts-Bild ändert sich stark. Wir überqueren hügeliges Gelände und bis 1200 m hohe Berge, betrachten ausgedehnte Wälder, hübsche Ortschaften, Skilifte und gar eine Radarstation auf einer Bergkuppe. Die Gegend gleicht sehr stark unserem Napfgebiet. Weiter nördlich wird es flacher und vor uns liegt in der "hohen Tatra" die Ortschaft Poprad mit dem Flugplatz Tatri.

16.50 landen wir inmitten saftiger grüner Wiesen und südlich der touristisch stark erschlossenen Gebirge auf Tatri/Poprad. Auch hier der für uns gewohnte Empfang durch 4 Personen. Aussergewöhnlich ist nur der Gepäck-Hubstapler, der heranfährt. Hat er wohl Otto's Reisetasche, das "Klavier", entdeckt ? Wir verzichten auf dessen Einsatz und laden die Taschen auf einen kleinen Rollwagen. Der Direktor des Platzes knipst ein Foto, das er wohl für Touristen-Werbung zu vermarkten hofft. Der Chef-Pilot der hiesigen Helikopter-Flotte (ca.8 Transport und Rettungs-Heli) hat die neben uns geparkte 2-motorige Transport-Maschine für den morgigen Flug nach Rumänien bereitgemacht. Er kommt zu uns und fragt, woher wir aus der Schweiz kämen. Er hat schon Zürich angeflogen und kennt scheinbar unser Birrfeld aus der Vogelperspektive. Wir schenken ihm einen AKTAVIA-Kleber und werden am andern Tag feststellen, dass er uns seinen Firmenkleber an die HB-PAF montiert hat. Er empfiehlt uns ein komfortables Hotel in einem 40km entfernten Touristenort.

Unsere hilfreichen Geister haben jedoch bereits für uns ein Hotel in Poprad reserviert und das Taxi steht schon bereit. So geht es nach kurzer Zeit zum Hotel Satel***. Hier herrscht Zwischen-Saison. Wir nehmen im Hotel-Restaurant Bier mit Pommes-Chips, die als -Frites verstanden und serviert werden zu uns. Trotz mehrmaliger Frage, ob wir essen wollen (um 18 Uhr schon), gehen wir erst unter die Dusche und erscheinen nachher frisch zum Essen. Ausnahmsweise trinken wir gar ein Glas Wein. Von den köstlichen Desssert-Kuchen wähle ich die schönsten 2 aus. Sogar meine Kollegen packen beim Kuchen zu. In der Hotel-Disko ist mehr als genug Platz für uns frei, kurzer Schlummerbecher. Werner und ich machen noch einen Verdauungs-Spaziergang und besichtigen den pompösen Bahnhof.

 

Dienstag 25.5.93 Tatri/Poprad - Krakow - Warschau

Beim Aufwachen taucht eine neue Idee auf. Warum wollen wir nicht einen Abstecher nach Polen machen ? Auf dem Flugplatz wird diese Variante näher geprüft und da leicht durchführbar, gleich in die Tat umgesetzt. Wir schreiben uns die Flugplatz-Informationen heraus und kopieren die Karten von Katowice und Warschau. Ueber die für uns interessanten Flugplätze legen wir wiederum die Liste mit den gewohnten Angaben an. Da wir die ONC-Karten 1:500'000 bei uns haben, sind hier nur noch die VOR und besonderen Checkpunkte mit Namen, Frequenz und Morse-Zeichen einzutragen. Aus der hier vorliegenden Karte übertragen wir die offiziellen VFR-Routen in Richtung Warschau. Zuerst wollen wir mit einem kleinen Hüpfer über die Grenze nach Krakau fliegen und uns dort nochmals um die Regeln in Polen kümmern.

12.08 starten wir in Tatri und fliegen über Jablonka nach Krakow. Beim Einflug in Polen fällt uns der grosse Unterschied in der Struktur der Grundstücke auf. Während bisher vor allem grosse einheitliche Wirtschafts-Flächen vorgeherrscht haben, gibt es nun ein richtiges Puzzle zu sehen. Die Häuser sind weiter auseinander, aber hinter jedem Haus liegen in einem schmalen Streifen 4 bis 6 untschiedlich bepflanzte Aecker. Hier ist wohl die Privat-Wirtschaft vorherrschend geblieben.

12.58 landen wir in Krakow. Der Empfang im neuen zivilen Terminal ist etwas zurückhaltender, teilweise echt unfreundlicher, als in der Slowakei. Die einfache Abfertigung wickelt sich englisch ab. Wir können 100LL auftanken, mit Kreditkarte bezahlen und haben nun genug Reserve um nach Warschau und wieder zurück fliegen zu können. Das AIS liegt im alten Gebäude nebenan, das gerade renoviert wird. Neben den Malern und Gipsern ist es nicht einladend eine ausgedehnte Flug-Vorbereitung zu machen. Unser Flugplan nach Warschau wird genehmigt.

15.07 starten wir. Otto hat im GPS die vorgesehenen Checkpunkte und sogar die geplante Route eingegeben. So gibt es bei sonnigem Wetter mit Sicht über 30 km einen angenehmen Flug auf 3500 Fuss über ein flaches Gelände mit kleinen Schönwetterwolken über uns. Auch hier das gleiche Landschafts-Muster mit den vielen kleinen Aeckerlein und den verstreuten Siedlungen bis zum Horizont. Nach 20 Minuten gibt uns Krakow-Tower an Warskowa-Approach weiter. Ueber dem flachen Land ist der Funk-Kontakt kein Problem. Der Hinweis des Controllers auf Information U lässt uns bei ihm die ATIS-Frequenz erfragen und die ATIS-Info abhören. Wir brauchen nicht über die Checkpunkte zu fliegen, sondern können direkt über VOR PNO auf Piste 33 einfliegen. Wind: 20 Knoten aus 240°. Trotz Nachfragen können wir die Piste 29 nicht bekommen.

Um 16.24 Landung in Warschau mit Flaps-2 auf der 33, die wir über den High-speed-Taxiway verlassen und zum Domestic-Terminal im Norden des Geländes rollen. Sofort ist der Apron-Manager da und fragt nach unserm Bedarf. Auf unser "night-stop" hin werden alle Türen und Motorhauben-Deckel mit Siegel-Klebern "LOT-Security" versehen, der grosse Gelenk-Bus für ca. 120 Personen rauscht heran und bietet genug Platz für Gepäck und Insassen der HB-PAF. Das neue Terminal ist erst vor 8 Monaten von einem deutschen General-Unternehmen dem Betrieb übergeben worden. Wir suchen und finden allein den Weg ins und durchs obere Stockwerk. Beim Pförtner tauschen wir den Pass gegen einen Badge und begeben uns zu AIS und Meteo. Da es bald wieder heimwärts geht, freut es uns besonders, dass vorderhand noch stabiles Wetter zu erwarten ist. Im AIS wird uns gesagt, dass man morgen für uns auch Karten vom Norden Polens beschaffen könnte. Wir halten uns also alle Wege für die morgige Planung offen.

Nach einem kurzen Bier buchen wir bei einer privaten Agentur Zimmer im Hotel Metropol. Der Taxifahrer des gleichen Unternehmens bringt uns dann allerdings zum Hotel Saski. Werner kann den Fahrer mit 200'000 Zloti bezahlen und wir quartieren uns im früher sicher renomierten zentral gelegenen Saski in 2 Zimmern mit Doppeltüre, fliessendem Wasser und Etagen-WC ein. Kostenpunkt inkl. Frühstück total 811'000 Zloti (ca.80 Fr.). Wir bummeln die Senatorska-Strasse entlang zum Zentrum der Altstadt. Nach einem Trunk im Platz-Kaffee steigen wir in den 1.Stock des Dom-Restaurants und lassen uns für 1,25 Mio. Zloti einen Zander nach polnischer Art servieren. Wieder zurück im Hotel Saski, steigen wir mitten in dessen "high-live" bei Senioren-Tanz der halb Betrunkenen zu einem Bier ein. Mangels Zloti müssen wir mit dem Kellner bei der Reception um Kredit bis morgen bitten.

Wir treffen Otto zum Morgenessen wieder. Der Kaffee lässt sich anhand des ausreichend vorhandenen Satzes in der Tasse klar als solcher erkennen. Otto meint das leicht braun fliessende Wasser in Zimmer 111 sei nicht mal zum Zähneputzen zu gebrauchen. Wir versuchen ihn zu überzeugen, dass im höher gelegenen 215 das Wasser richtig klar fliesse. Der Wechselschalter im Hotel öffnet um 9.30. Otto steigt mit 100 Fr. ein und wird bis zur Zahlung der Hotel-Rechnung zum Zloti-Millionär.

 

Mittwoch 26.5.93 Warschau - Katowice - Ostrava

Wir entscheiden uns, nun heimwärts via Brünn zu fliegen. Auf der ersten Strecke nach Katowice versuchen wir eine neue und nicht offizielle Route zu wählen. Dies wird jedoch nicht bewilligt. Um nicht auf der gleichen Linie zurück fliegen zu müssen, planen wir eine Zick-Zack-Route auf den vorgesehenen Strecken. Der Zugang für private Crew's ist dem Personal noch nicht geläufig und erfordert diverse telefonische Rückfragen. Ueber das Gate-10 gelangen wir wieder zum grossen Gelenkbus, der uns zur HP-PAF bringt. Wir stellen zusammen mit dem Apron-Manager fest, dass noch alle Siegel intakt sind. Wir bestellen bei ihm 100LL, den wir mit Euro-Check bezahlen können. So speditiv das Tanken läuft, umso mühsamer geht es dann beim Bezahlen zu. Tankwagenchef und Apron-Manager streiten sich. Schlussendlich fahre ich mit meinem Check im grossen Gelenkbus zur Kasse ins Hauptgebäude und wieder zurück. Die Lande- und Uebernachtungstaxe von 21US$ erscheint uns günstig, dies insbesondere, wenn man meine Busfahrten noch einrechnet.

Vor dem Start-up wird uns die geplante Route wieder korrigiert, sodass es auf dem gleichen Weg über TMS und JED nach Katowice zurück geht. Um 13.15 starten wir auf Piste 33 mit left-turn-out, steigen vorerst auf max. 1000 Fuss QFE, später dann auf 2000 und fliegen Richtung Süden. Die anfänglich noch gute Sicht wird nach VOR JED massiv schlechter. Wir sind auf der Warmseite nahe der schwachen Front. Das GPS meldet laufend Distanz und Richtung zum Platz, wo wir 14.30 bei 7km Sicht landen.

Zuerst reservieren wir uns den Ausgangs-Zoll, da wir heute noch weiter nach Tschechien möchten. Danach erkundigen wir uns bei der Meteo, wo man uns Details in etwa 1 Stunde verspricht. Unterdessen begeben wir uns ins AIS und machen unsere Vorbereitungen. Hier bringen wir unsern letzten AKTAVIA-Kleber an. Aus der Landeliste entnehmen wir, dass wir in diesem Monat erst das 13. private Flugzeug auf diesem Platze sind. Zur Zeit stehen noch 2 Deutsche Maschinen auf dem Apron. Die Beamten bieten uns hier, zum ersten Mal auf unserer Reise, einen Kaffee an. Wir wissen inzwischen, dass nach dem Rühren eine Pause zum sinken lassen des Kaffeesatzes einzulegen ist. Unter diesen Bedingungen schmeckt er uns sehr gut. Bald kommt der Meteo-Spezialist und legt uns neben den TAF's ein perfektes Meteo-Sat-Bild vor. Wir staunen über diesen Service.

Beim Start um 16.21 stellen wir eine merklich bessere Sicht fest. Auf dem Weg nach Süden holen wir jedoch bald das trübe Wetter wieder ein und erreichen über das VOR OKT um 17.01 den Tschechischen Platz Ostrava. Auch hier sind bald 6 Personen um die HB-PAF herum. Die 3 Zöllner kontrollieren und stempeln auf dem Apron. Der zivile Verkehr ruht, der militärische ist noch im Gange. In der Halle sind noch 2 Linienflüge für diesen Abend nach Wien und Prag angezeigt. Wir setzen uns zum Bier ins Restaurant und stellen beim Zahlungsversuch fest, dass man unsere restlichen Slowakischen Kronen nicht haben will. Das vor einem Jahr noch gemeinsame Geld ist in der Slowakei und in der Tschechei mit besondern Marken überklebt worden. So gelten heute die Slowaken-Kronen nur noch 87,5 Tschechen-Kronen. Das Geld muss offiziell gewechselt werden. Wir bezahlen mit 2 US$. Am Wechselschalter will man weder Slowaken-Kronen noch Polen-Zloti wechseln. So sind denn die 100'000er Zloti zum Reise-Souvenir geworden. Der Taxi-Fahrer nimmt von uns die Slowaken-Kronen entgegen und bringt uns zum ATOM-Hotel. Wir beziehen ein grosses 3er-Zimmer mit Dusche, Fernseher und funktionierendem Telefon. Endlich kann Werner zuhause anrufen (Rosmarie ist sogar da).

Zum Nachtessen gehts ins relativ leere Stadt-Zentrum. Wir setzen uns in ein ansprechendes Restaurant/Pizzeria und studieren die Speisekarte. Da seufzt Wernen auf: schon wieder zu wenig Bargeld. Der Kellner verspricht, sich auch mit US$ zu begnügen und wir bestellen bei ihm Bier und das Essen mit je 1 währschaften Suppe. Mit 20$ und einigen zusätzlichen Kronen begleichen wir die Kosten.

 

 

Donnerstag 27.5.93 Ostrava - Brünn - Linz- Altenrhein - Birrfeld

Schon um 8.30 sind wir beim Morgenessen, bezahlen das Hotel und begeben uns per Taxi auf den Flugplatz. Der Taxifahrer muss wohl oder über warten, bis Werner noch ein wenig Tschechisches Geld am Schalter besorgt hat. Dann geht's los mit planen. Das TAF lässt in Brno CB und Gewitter erwarten, für Linz und Wien sieht es besser aus. Heute wollen wir noch möglichst weit nach Westen bis an die zu erwartende Front heranfliegen. Wir geben im Flugplan als Destination Linz und als Alternates Brünn und Wien an.

11.35 starten wir in den noch trüben Himmel. Nach Ostrava werden wir an Holesov weiter gegeben. Der Controller meldet uns 5 - 7 km Sicht und "slow clouds". Wir fliegen direkt an seinem Platz vorbei und seine Aussagen treffen zu. Nach einigen Minuten sagt er uns leichte Schauer voraus. Wir passieren vorsichtig diese Region bei knappen Sichtweiten in 1500 Fuss. Ich leite die Umkehrkurve ein, stelle aber fest, dass es doch nicht so schlecht aussieht und fliege weiter. Wir werden an Brno-Radar weiter gereicht. Die ruhige klare Frauenstimme gibt uns doch noch eine Knacknuss auf. Die bestätigte Freigabe über das Desna-VOR kann nicht geflogen werden. Es muss über "Bodal", 300° und 76km von Brno, eine Militärzone umflogen werden. Wir können diesen Ort aber auf der neuen ICAO-Karte nicht finden. Ich meine, wir sollten eine Freigabe eher in Richtung Süden über Mikulov verlangen, wo bessere Sicht zu erwarten ist. Da haben wir bereits die Piste von Brünn vor uns. Nach kurzer sachlicher Beratung entscheiden wir uns zu landen und am Boden neu zu planen. Landung 12.20 in Brno/Brünn.

Auf dem Apron erscheint sogar unsere Controllerin und zeigt uns auf der Karte den Punkt, wir nehmen unsere Radio-Navigations-Kopie hervor und entdecken darauf die Angabe Bodal-NDB. Sie erklärt uns, dass sie uns nicht an den militärischen Controller habe weitergeben können, da er nicht englisch spreche. Für sie sei das laufende übersetzen zu wenig schnell. Wir meinen wir würden nur bei ihr bleiben, bis wir genug Tschechisch könnten. Auf alle Fälle bedanken wir uns bestens für ihren Einsatz und ihr Erscheinen bei uns.

Im AIS und bei der Meteo prüfen wir die Lage. Ein Weiterkommen scheint uns vor allem im Süden besser als im Norden. So planen wir via Mikulov und Oesterreich nach Linz zu fliegen. Beim Mittagessen stärken wir uns und bezahlen mit den restlichen Kronen, ergänzt mit Dollars.

Start um 14.29 bei besserer Sicht. Wir fliegen nach Süden, passieren Mikulov und drehen danach unter der Kontrolle von Wien-Info nach Westen. Auf der geraden Strecke führen wir eine exakte terrestrische Navigation mit Bahnlinien und Flüssen durch, die per GPS nachgemessen wird. Bald übernimmt uns Linz zum Anflug über den nördlichen Checkpunkt Ottensheim.

In Linz gilt unsere erste Frage natürlich der Meteo. Auf dem Satelliten-Bild erklärt man uns die hinter uns liegende wenig aktive Front, die in Auflösung begriffen ist. Erst im Raume des Schweizer Mittellandes sind jedoch Gewitter und massive lokale Schauer zu erwarten. Entgegen unsern Erwartungen ist also ein Weiterflug nach Altenrhein heute noch sinnvoll. Wir tanken noch 50 Liter dazu und starten um 16.52. Auf der Route über die süddeutschen VOR-Stationen SBG - EUR- KPT gehts nun problemlos heimwärts. Wir haben neben der sorgfältigen Navigation genug Zeit, unsere Bord-Küche nochmals gründlich zu durchforschen. Es ist immer noch wieder-erkaltete Schockolade da. Leider haben die irrtümlich gewaschenen Rüebli gelitten und sind auch von mir nicht mehr essbar.

Im Anflug auf Altenrhein spüren wir über dem See die Wirkung der Föhn-Ausläufer, die vom Rheintal herunter blasen. Am Boden geht's speditiv, denn wir hoffen, doch noch das Birrfeld zu erreichen. Otto plant eine VOR-Uebung über ZUE und TRA, die natürlich mit GPS-Routenplanung parallel vorbereitet wird.

19.10 starten wir in Altenrhein, spüren nochmals die starken durch den Föhn über dem See verursachten Böen und fliegen dem dunklen wolkenverhangenen Gebiet südlich Schaffhausen zu. Aber mit der Zeit verschieben sich die Wolken und Regengüsse vor uns auch nordwärts. Wir können sogar bis TRA hinauf und ins Birrfeld ohne Sichtprobleme weiterfliegen.

Landung im Birrfeld 19.55. Erst kurz danach, wir sind noch am ausladen, gibt es stürmische Winde, Regen und Gewitter. Wir haben wiederum eine sauber vorbereitete, sorgfältig und präzise durchgeführte Flugreise mit vielen wertvollen Erlebnissen hinter uns. Dies begiessen wir noch bei einem letzten Reise-Schlummerbecher.

 

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