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PAF-Gruppe Rückblende Flugreisen

 

 

 

Flugreise

  HB-PAF und HB-OMX

Lydd (England)

4.Juni - 12.Juni 2000

 

Koblenz - Raims - Lydd (England) - Rotterdam - Den Helder - Borkum - Bremen - Aschaffenburg

 

 

Piloten HB-PAF:
Daniel Keller, Peter Schwendemann

Piloten HB-OMX:
Maja Byland, Alfred Klauser

 

 

Datum

von .........../......... nach

Start - Landung

Zeit

Tot.By

Tot.AK

So. 4.6.2000

Birrfeld -- Saarbrücken

11:31 - 12:56

1:25

1:25

Saarbrücken -- Koblenz

15:06 - 15:58

0:52

2:17

Di. 6.6.2000

Koblenz -- Reims-Prunay

13:28 - 15:13

1:45

4:02

Mi. 7.6.2000

Reims -- Le Touquet

11:24 - 13:08

1:44

1:44

Le Touquet -- Lydd

15:33 - 16:02

0:29

2:13

Do. 8.6.2000

Lydd -- Rotterdam

13:07 - 14:50

1:43

5:45

Rotterdam -- Den Helder (De Kooy)

17:18 - 18:03

0:45

6:30

Fr. 9.6.2000

Den Helder -- Borkum

11:38 - 12:32

0:54

7:24

Borkum -- Willhelmshafen

14:20 - 15:02

0:42

2:55

Willhelmshafen -- Bremen

16:44 - 17:19

0:35

7:59

Sa. 10.6.2000

Bremen -- Aschaffenburg

10:40 - 12:28

1:48

9:47

So. 11.6.2000

Aschaffenburg -- Aschaffenburg

12:23 - 12:40

0:17

10:04

Mo. 12.6.2000

Aschaffenburg Schupfart

10:22 - 11:57

1:35

11:39

Schupfart - Birrfeld

14:02 - 14:15

0:13

11:52

Total Flugzeit

14:47

Sa. 3.6.2000 Besuch bei der Meteo Zürich

Auf 13:30 Uhr treffen wir in Kloten zum Besuch bei der Meteo im Operation-Center zusammen. Unser allgemeiner Reisewunsch ist nicht in den schon heissen Süden zu fliegen. Falls möglich, möchten wir doch mal nach England. Die Meteo sagt uns mittelfristig gute Bedingungen in Südfrankreich, Spanien und Portugal voraus. Bei näherm erfragen der Möglichkeiten für den Norden kommt auch Herr Lips herzu und meint, in Etappen wäre es wohl möglich, nach Skandinavien zu gelangen (er selber würde diese Route bevorzugen). Da wir gleiches im Sinn haben, stellt sich die Frage, wann und wo wir die Störungen über Dänemark wohl überwinden könnten. Morgen wollen wir nochmals prüfen, unser primäres Ziel ist also der Norden (einzelne von uns sind da noch skeptisch).

 

So. 4.6.2000 Birrfeld - Saarbrücken - Koblenz

Kurz nach 9 Uhr werde ich von Bylands abgeholt und ins Birrfeld gefahren. Wir drucken die Wetter-Prognosen (TAF) aus. Die deutschen Plätze rechnen bei 30% Wahrscheinlichkeit mit Gewittern. Wir rufen Hr. Lips in der Meteo Kloten an und möchten dazu eine Beurteilung. Er erinnert sich an unsere Beratung von gestern und meint, dass ein Flug in den Norden in Etappen möglich sein sollte. Wir sollten dabei eher westlich von Frankfurt fliegen, weil die Kaltfront vor England nur langsam nach Osten voran komme. Wir planen eine kürzere Etappe bis Saarbrücken und wollen dort weiter sehn.

Mit der HB-OMX fliegen wir über Rheinfelden auf 4500 Fuss und sehen zu unserer Rechten die Kollegen mit der HB-PAF auf einer direktern Route vorbei fliegen. Mit der Bedienung des Trimble-GPS habe ich trotz studierter Gebrauchsanleitung grosse Mühe und Capt. By kann mir dabei auch nicht helfen. Immer wieder will das GPS eine Route ab einem Checkpunkt X0052 ab Umiken rechnen !!! So kämpfe ich mit den Tücken der GPS-Logik, die in 90% der Fälle meinen goto-Bemühungen erfolgreich widersteht. Mein grösster Erfolg: es gelingt mir die Karten-Darstellung im Raum Freiburg zu entlocken. Wir fliegen mit Stuttgart-Info bis Offenburg, sinken da auf 2500 Fuss ab und fragen Strassburg Approach für den Transit Richtung Saarbrücken. Das ok erhalten wir problemlos. Eine runde Danger-Area (Militärzone) identifizieren wir klar und fliegen daran vorbei direkt zu einem markanten Wasserturm auf unserer Route. Am GPS laboriere ich nun mit der Liste der nahesten Wegpunkte. So kann ich mich exakt 12 Meilen vor dem Flugplatz Saarbrücken melden. Wir erhalten die Einflug-Freigabe über den Meldepunkt S in die Linksvolte der Piste 27. Wir fliegen die vorgegebene Route exakt mit anschliessender sehr sanfter Landung!! Dani beginnt hier mit einer schönen Tradition und spendet uns das erste Landeschöggeli. Die Abfertigung ist sehr speditiv. Für die Zollkontrolle bemühen wir uns selber. Die Meteo-Aussichten für unsern Flug nach Hamburg sind gut. Wir gehn zum Flugzeug zurück, tanken und nehmen einen Mittagslunch aus der Bordküche. Anschliessend setzen wir uns für die Detailplanung ins Restaurant.

15:06 Uhr starten wir bei guter Sicht und fliegen unter der Schicht mit Cumuluswölklein auf 3500 Fuss. Frankfurt-Info gibt uns den Transponder-Gruppen-code 3701 (auch die HB-PAF erhält den gleichen Code). Wir werden darauf aufmerksam gemacht, dass die vor uns liegende Danger-Area-163 aktiv ist. Wir umfliegen via einen markanten Sendeturm (in GPS-Karte markant eingezeichnet!!). Am Funk bekommen wir mit, wie der Controller auch der HB-PAF erläutert, dass die Zone aktiv und eine "shooting-area" sei. Auf unserm Kurs gelangen wir südlich von Koblenz auf die Autobahn. wir hören, wie ein anderes Flugzeug nördlich von uns wegen schlechter Sicht einen IFR-Flug anmelden will. Da spitzen wir die Ohren und fragen uns, wie wohl das Wetter auf unserer weitern Route ist. Wegen tiefen Wolken und milchiger Sicht sinken wir bis auf 2000 Fuss hinunter. Aus nicht klar erkennbarem Grund blutet mein Capt. By am Ohr und stopft sich ein Tschentuch unter den Kopfhörer. Böse Zungen behaupten später, der Navigator habe sie mit dem verwünschten GPS geschlagen.... Ueber der Stadt Koblenz am Rhein sind die Sichtverhältnisse nicht besser. Die Kollegen der einige Minuten vor uns fliegenden HB-PAF melden schlechte Sicht. Sie seien gerade vor einem kleinen Flugplatz. Wir verabreden umzukehren und in Koblenz zu landen. In einem speditiven Anflug drehen wir in die Links-Base ein und landen (nicht mehr ganz so fein...) auf Piste 24. Bald darauf biegt auch die HB-PAF ein, landet und rollt zu uns auf den Gras-Parkplatz. Der Himmel ist dunkler geworden. Wir setzen uns zu einem Salat (sehr gesunde Ernährung !!) innen ins Restaurant, da wir dem Wetter nicht trauen. Draussen wird es nicht besser und wir beschliessen, hier über Nacht zu bleiben.

Wie auch in den kommenden Tagen informieren wir die Kollegen daheim mittels SMS und Natel über unsern Tagesablauf. Otto Juchli stellt diese Info so blitzschnell ins Internet, dass wir in den kommenden Tagen nur noch ihm berichten werden. Schon 18:09 kommt eine SMS-Antwort von Kurt und Anneliese, die ich als Beispiel für eine der Rückmeldungen ohne Kommentar zitieren möchte: "Danke für die prompte Information. Schönes Wetter, trockene Pampers und gute Reise wünschen Kurt + Anneliese"

Capt. By eilt voraus zum Flugzeug und sortiert sein Tagesgepäck heraus. Beim ersten Gewitterschauer kommt er aber bald wieder etwas durchnässt zurück. Nach dem Gewitter zurren wir die Flugzeuge am Boden fest. Die Dame im C-Büro bestätigt, dass heute keine Besserung zu erwarten sei. Sie empfiehlt uns das nahe Winzerdorf Winingen für die Nacht. Es sei näher und schöner als in Koblenz. Zudem sei heute noch Winzerfest. Wir lassen ein Taxi rufen und quartieren uns im netten Hotel "an der Coul" (à l'école) mitten im malerischen Dörflein ein. Auf dem Fest geniessen wir einen Schluck Weissen als Start-Drink in der Hoffnung auf eine gute Reise. Das Nachtessen im Gasthaus Hoffnung unterstreicht unsere grossen Erwartungen. Wir legen uns im 3er-Zimmer zur Ruhe. Leichenblass klopft später unser Capt. By an die Türe und erzählt, dass die Wirtin ihr Zimmer einem Töff-Fahrer nochmals geöffnet habe. Beide seien sich dann kurz erschrocken gegenüber gestanden und die Wirtin hätte sich noch und noch entschuldigt.... Diese Geschichte begleitet uns natürlich auf der ganzen weitern Reise unter dem leicht abgeänderten Motto "Neger im Zimmer".

 

Mo. 5.6.2000 Ruhetag in Koblenz

Vom Hotel aus rufen wir die Wetterberatung an. Man sagt sehr aktive Gewitter und Schauer mit sehr tiefer Wolken-Untergrenze für den ganzen Tag und den Raum um Koblenz voraus. Wir verzichten unter solchen Bedingungen auf den Weiterflug. Mit dem Taxi fahren wir zum Flugplatz und binden unsere Maschinen fester an. Danach geht's nach Koblenz zum "Deutschen Eck". Wir besichtigen das Monument am schönen Aussichtspunkt beim Zusammenfluss von Mosel und Rhein. Ueber Mittag zählen wir zu den ca. 10 Gästen auf der stündigen Rhein-Mosel-Rundfahrt. Es ist trocken und zeitweise lacht die Sonne vom Himmel !! Auf dem Stadtbummel gibts Eis und ich benutze die Gelegenheit zum Coiffeur zu gehen (freiwillig). Abends sitzen wir zum Nachtessen im Hotel. Nun endlich gehen massive Gewitter und Schauer über uns weg.

 

Di. 6.6.2000 Koblenz - Reims-Prunay

Die Meteo sagt ab Mittag eine Wetterbesserung voraus. Die Erwartungen sind Richtung Westen besser als in Richtung Norden. Ziel Hamburg ist also nicht mehr sinnvoll. Beim Frühstück bleibt noch Zeit, die Wirtin und den immer noch anwesenden Töff-Fahrer kurz in die Fliegerei und die Struktur der Lufträume einzuweihen. Der Töff-Fahrer bleibt skeptisch zur Fliegerei. Schon ist die bereits bekannte Taxi-Chauffeuse "Renate" da und bringt uns zum Flugplatz. Wir holen auf dem Tower nochmals Meteo (TAF und METAR) ein. Dabei können wir der Beamten eine kurze Einführung in die Internet-Links auf der Birrfelder-Homepage (www.birrfeld.ch) geben. Es ist mit tiefer Wolkendecke auf 2500 Fuss über Grund, aber guter Fernsicht mit einzelnen lokalen Sprühregen zu rechnen. Unterwegs bestätigt sich diese Prognose. Ich versuche mich nochmals mit dem GPS anzufreunden. Bald entschliesse ich mich aber, die sichere Boden-Navigation mit Hilfe von VOR wieder anzuwenden. Wir können der geplanten Route ohne Probleme folgen und landen in Reims-Prunay. Die beiden Beamten fertigen uns sehr freundlich und hilfsbereit ab. Wir danken dies mit Schweizer Schoggeli und Aktavia-Sonnenhut. Sie reservieren uns Zimmer im direkt am Platz gelegenen Hotel "L'éscale". Zu Fuss marschieren wir hinüber, besichtigen zuerst die Räume und belegen sie für eine Nacht. An der Reception kauft Peter einen Satz neuer ICAO-Karten von Frankreich. Dem muntern Bruch-Piloten-Bär im Schaukasten kann ich auch nicht widerstehen und kaufe einen solchen Begleiter für unsere weitere Reise. Auch Capt. By kauft einen solchen ein und setzt ihn jeweils als Platzhalter auf den Piloten-Sitz (meistens hat es was genützt !!!), denn sie möchte lieber fliegen als navigieren. Auf dem windigen Vorplatz scheint die Abendsonne wunderbar herein. Wir lassen uns hier zu einem Bier resp. Cüpli nieder. Das gute Wetter hebt unsere Stimmung merklich.

 

Mi. 7.6.2000 Reims -- Le Touquet -- Lydd

Trotz Bärchen auf dem Pilotensitz bin ich heute (endlich) an der Reihe zum Fliegen! Was für ein Gefühl nach tagelangem Darben als Navigator und Co-Pilot! Zu Fuss gehe ich schon früh hinüber zur HB-OMX und binde sie los. Der frische Morgen animiert mich zu einem Inspektions-Marsch dem Taxiway entlang. Nach dem Frühstück sitzen wir schon bald wieder im Büro und bereiten die heutige Route nach Le Touquet vor. Es soll ein richtiger Navigationsflug für Maja und für Peter sein. So liegen denn heute unser Checkpunkte an Strassenkreuzung, Fluss, Bahnbiegung, bei markanten Türmchen etc. Unter der Führung meines Navigators Maja fliegen wir die geplante Route sehr exakt ab. Dies erreichen wir trotz (oder sogar wegen) nicht Benützens des GPS. Wir sperbern nach markanten Linien und Punkten in der unter uns ausgebreiteten flachen Landschaft und erreichen bei der Flussmündung das Meer. Bald biegen wir in den Anflug von Le Touquet ein, landen und parken vor einer grossen Wasserlache. Der Regen ist also noch nicht so weit weg.

Das C-Büro ist verlegt worden ins Hauptgebäude, also wechseln wir hinüber. Der erste Gedanke gilt dem Wetter. Also geht's dem Wegweiser folgend wieder zurück und in den 2.Stock beim Tower. Die Aussichten für die kommenden Tage entnehmen wir den Prognosekarten. Die breite Front kommt etwa Freitag vom Atlantik an die Küste von England und Frankreich und bleibt dort am Samstag noch liegen. Also dürfte ein Sprung nach England für 1 oder 2 Tage möglich werden. Am Freitag sollte man wohl besser schon in Holland, Dänemark oder Deutschland sein. Ueber Zentral-Europa baut sich ein neues Hoch auf. Der nicht ganz überzeugend wirkende Meteo-Beamte bestätigt unsere Erkenntnisse. So starten wir in Schwimmwesten zu dem 30-minütigen Flug über den Kanal. Ein lange gehegter Wunsch erfüllt sich für uns: England. Auf 3500 Fuss queren wir den Kanal, beginnen einen schnellen Sinkflug, während sich mein Co-Pilot mit dem Flugplatz in Verbindung setzt und die Lande-Information einholt. Direkter steiler Anflug mit Landung auf dem Lokalflugplatz von Lydd. Die Abfertigung mit Auftanken geht sehr speditiv. Bezahlen können wir morgen. Man empfiehlt uns ein nettes kleines Hotel, reserviert und ruft auch gleich das Taxi.

Schon wenige Minuten nach unserer Ankunft in England sitzen wir im Taxi, das konsequent auf der für unser Empfinden falschen Strassenseite fährt. Der Links-Verkehr in England wirkt eben eigenartig auf uns. Beim Aussteigen vor unserm ländlichen "Warren Lodge Motel" rümpfen wir die Nase. Dies nicht wegen des Motels, sondern es sticht uns der süsse Duft von der nahen Schweinefarm in die Nase. Wir werden uns aber rasch daran gewöhnen. Bald sitzen wir gemütlich im Rasen vor unsern Zimmern bei einem echten englischen Bier. Relaxen auf englischem Boden, was für ein Gefühl !! Da die Uhren hier 1 Stunde nach gehen, bleibt uns bis zum Nachtessen um 19:30 LT noch Zeit für ein Kaffee-Kränzchen in unserm grossen Zimmer. Co-Pilot By macht munter meine Therapie-Uebungen mit. Den Muskelkater in den "untern Bäggeli" wird sie erst morgen spüren... In den Wiesen rund ums Haus gibt's eine grosse Zahl von kleinen wilden Kaninchen. Sie werden hier nicht gezüchtet, sondern leben wild und werden kaum gejagd. Das Motel bietet sog. "unusual meals" an. Trotz oder eben darum haben wir ein gutes Nachtessen genossen. Wegen Unsicherheit im Wechselkurs und ob man Trinkgeld geben oder nicht geben sollte, kommt unser Service-Mädel zu einem erstaunlich guten Trinkgeld (nachträgliche Erkenntnis des Schreibenden). Ein ausgedehnter Verdaungsmarsch führt Dani und mich bis an die Küste, Heimkehr in der Dunkelheit.

 

Do. 8.6.2000 Lydd -- Rotterdam -- Den Helder (De Kooy)

Die Sonne scheint mir direkt ins Bett. So mache ich eine kleine Fotorunde bei den wilden Kaninchen und schaue mir die schmale "Hobby-Bahnlinie" an. Hier handelt es sich um eine für die Kraftwerke benutzte spezielle Bahn. Auf der Gartenbank führe ich den Reisebericht nach. Mit den anrückenden Kollegen werden die ersten Reisepläne für heute besprochen, bis sich die Türe zum Frühstück öffnet. Auf dem Flugplatz geht die Zeit rasch vorbei mit planen und Formulare ausfüllen. Wir können von zollfreiem Benzinbezug profitieren (spezielles Formular ausfüllen) und alles mit Kreditkarte bezahlen. Nach dem Start folgen wir noch ein Stück der Küste und steigen auf 3500 Fuss. Ueber dem VOR von Dover drehen wir auf Kurs nach Calais. Unter uns sind die grossen Fährschiffe sehr gut zu erkennen, die immer noch einen Teil des Transportes über den Kanal bewältigen. Auf der französischen Seite blicken wir auf den grosszügig angelegten Verlade-Bahnhof mit Zufahrten für den Kanal-Tunnel. Nun folgen wir der belgischen Küste und können mitten über die Flugpätze von Koksijde und Oostende fliegen.

Bald erreichen wir Holland und nehmen mit Amsterdam-Info Kontakt auf, da auf der uns angewiesenen Frequenz von "Dutch mil" keine Antwort kommt. Wir habe auf 1500 Fuss hinunter zu sinken und können weiter der Küste folgen bis zum Checkpunkt H an der Flussmündung vor Rotterdam. Aus dieser Höhe wirkt das Land mit seinen Kanälen, Schleusen, Segelbooten und Hafenanlagen wie eine sauber herausgeputzte Modell-Anlage. Wir beginnen den Anflug auf den Flugplatz mit Kontakt zu Rotterdam-Tower. Bei so viel Länderwechsel verplappere ich mich am Funk und melde "destinatioin Rotterdam in Germay". Da hier auch unser Kollegen in der HB-PAF mithören, ist ein Gesprächsthema für den Abend gesichert. Unter uns liegen die reisigen Flächen der Treibhäuser. Wir haben auf 1000 Fuss zu sinken, biegen in die Platzvolte ein und landen. Wir rollen zum Auftanken und danach auf den grossen Parkplatz hinter den Hangars. Man fährt uns für ein Foto am Luftschiff vorbei zu den Gebäuden. Nun beginnen lange Fussmärsche: Meteo, Flugplanung, bezahlen von Landetaxen, Benzin und zu Fuss zurück zu den Flugzeugen. Per Telefon haben wir problemlos die Bewilligung zur Landung auf dem Militärplatz "De Kooy" bei Den Helder erhalten.

Nach dem Start fliegen wir auf der gleichen Route zurück zur Küste und folgen dieser nun nordwärts. Der Kontroller lässt uns auf max. 1500 Fuss weiterfliegen und hat bereits die Bewilligung für das Queren der Militärzone für uns eingeholt. Wir können einen schönen und ruhigen Flug der holländischen Küste entlang geniessen. Auffallende Bauten sind der runde Hafen-Terminal von Den Haag und die Autorennstrecke von Zandford. Schon nähern wir uns unserm Ziel an der nördlichsten Landspitze von Holland. Wir können direkt auf die Piste zu fliegen und landen. Auf dem Rollweg müssen wir lange warten. Wir erkennen, dass wir auf einer Helikopter-Basis der Armee sind und können ihre Manöver mitverfolgen. Dann müssen wir über die Piste zurück rollen und auf einem Taxiway einem Helikopter (taxi behind helicopter) bis zum Abstellplatz rollen. Hier parken wir für die Nacht. Die Abfertigung ist militärisch speditiv. Man reserviert uns ein Hotel und ruft für uns ein Taxi. Schon nach kurzer Fahrt quartieren wir uns im Hotel ein, das echt an der nördlichsten Landspitze steht, direkt neben dem Hafen der Fähre zu der Insel Texel. Nach dem Nachtessen im Zentrum des Ortes blicken wir Landratten beim Abendbummel noch lange der im Meer versinkenden Sonne nach. Die Tage sind hier schon deutlich länger als bei uns daheim.

 

Fr. 9.6.2000 Den Helder -- Borkum -- Wilhelmshafen -- Bremen

Zwischen Frühstück und Abreise reicht es an diesem sonnigen windigen Morgen für eine Foto-Runde um unser Hotel. Auf dem Flugplatz klären wir zuerst, ob wir eine zwischen Texel und Borkum liegende Militärzone durchfliegen dürfen. Die negative Antwort lässt uns auf den Abstecher zur holländischen Insel verzichten. Wir wollen direkt bis zur deutschen Insel Borkum (mit Zoll) fliegen. Nach dem Start geht's nach Osten zum Ijsselmeer. Volle 10 Minuten folgen wir dem künstlich angelegten Damm übers Ijsselmeer mit Strasse, Rastplätzen und Wasser-Durchlässen und bestaunen dieses Bauwerk. Nach einem Stück über Festland fliegen wir über das bei dem tiefen Wasserstand deutlich erkennbare braune Wattenmeer mit seinen Abflussrinnen. Die Formen der flachen friesischen Inseln sind bei dem tiefen Wasser leicht verändert. Wir folgen der Inselgruppe, blicken kurz auf eine Bohr-Plattform im Meer draussen, und begucken uns die Orte, Bahnen und Flugplätze auf den flachen Inseln. Schon liegt Borkum vor uns mit einer Asphalt- und den Graspisten. Der Beamte der Info gibt uns die Asphalt-Piste 15 und wir landen bei einem Wind von fast 20 Knoten aus der Gegenrichtung.

Bei der Abfertigung im Tower warnt er uns vor den massiven Winden auf den übrigen Inseln. Leider liegen die Pisten dort nicht so günstig in Windrichtung wie hier. Darum entscheiden wir uns, auf weitere Landungen dort zu verzichten und nach einem Flug über diese Inseln direkt Wilhelmshafen anzusteuern. Im Gras neben unsern Flugzeugen spendiert uns Daniel aus seiner reichhaltigen Bordküche feinen frischen Zopf mit Bündnerfleisch, ein echtes Captains-Dinner. Nach dieser Stärkung starten wir gegen den starken Wind und setzen unsere Reise über die friesischen Inseln fort. Eine schöne und auf uns sehr romantisch wirkende Inselwelt überfliegen wir einfach so. Fliegen ist doch was schönes!!! Leichte Spannung kommt bei meinem Navigator und Co-Pilot auf: räuspern und sich sammeln vor dem Absetzen des ersten Funk-Kontaktes mit Wilhelmshafen. Das Land ist auch hier flach, Merkpunkte sind Küsten, grosse Industriebauten, Bahnlinien und Kirchen. Bei starkem Gegenwind landen wir auf einer kurzen, aber in der optimalen Richtung liegenden Piste. Der Wind bläst so stark, dass wir unser Flugzeug auf dem Parkplatz für den kurzen Halt festbinden. Die nachfolgende PAF-Crew macht es ebenso.

Die neusten Wetterinformationen sagen für die kommenden Tage gewittriges Wetter mit Regen voraus. Wohin soll unsere Reise denn nun gehen ? Wir entscheiden uns, den Heimweg anzutreten. Die noch vorhandenen Reservetage sind uns bei dieser Wetterlage gewiss nützlich. Für heute wollen wir weiter und in Bremen nächtigen, dort liessen sich auch Wartetage abwechslungsreich gestalten. Nach dem Start steigen wir nur auf 1500 Fuss, fliegen zur Weser und folgen der Anflugroute stadteinwärts. Während die HB-PAF vor uns noch die Freigabe zur Landung erhält, müssen wir neben dem Flugplatz kreisend warten, bis ein Airbus der Lufthansa seine Trainings-Landung gemacht hat. Wir blicken hinunter auf den landenden Airbus und können hinter ihm in gebührendem Abstand wegen der Turbulenzen landen. Details über diese Turbulenzen und der Ausbreitung haben wir während der Warteschlaufen kurz miteinander besprochen (siehe Theorie, Kapitel xy). Auf dem Parkplatz warten wir auf den Tankwagen. Da der Tankwart nur gegen Bargeld Benzin ausgibt (Kreditkarte geht nicht), kratzen wir unsere DM zusammen und rechnen so die zu tankende Menge aus (je etwa 100 Liter je Flugzeug). Ob und wohin es morgen fliegbar ist, wissen wir ja noch nicht.

Im Flughafen suchen wir uns am Info-Computer ein Hotel aus (wir finden das gleiche, das wir früher hier schon mal bezogen hatten). Wie wir hinkommen, erkennen einzelne (...), dass es nicht gerade ein Hit ist, aber doch praktisch nahe am Stadt-Zentrum liegt. Kurzer Bummel zum grossen Platz im Zentrum, wo wir uns einen Zander schmecken lassen. Es ist so angenehm warm draussen. Wir lassen uns noch ein Dessert geben. Danach bummeln wir in das malerische Quartier "Schnoorr" mit den niedrigen kleinen Beizenhäuslein, wo wir auf einer frühern Reise mal gegessen haben.

 

Sa. 10.6.2000 Bremen - Aschaffenburg

Das Wetter ist noch nicht schlecht. Wir können problemlos weiter nach Süden fliegen. So kommen wir zu einem angenehmen Flug über Porta-Westfalica vorbei an Kassel-Calden nach Aschaffenburg. Dieses Ziel haben wir gewählt, weil es auf halber Distanz in die Schweiz liegt und wir letzten Herbst auf diesem Platz so hilfreich und nett betreut worden sind. Aschaffenburg ist für Fliegerclubs darum sehr zu empfehlen !!! Der Flug verläuft wie geplant bei sehr guter Sicht. Wir praktizieren Sicht-Navigation unter voller Ausnutzung der Peilmöglichkeiten mit VOR und ADF. Anstelle von GPS nutzen wir das in der OMX installierte DME (Distanz-Mess-instrument). Auf der Strecke hören wir am Funk das manchmal ausführliche, zeitweise auch belehrende Deutsch zwischen Pilot und Boden. Für uns gibt's wenig zu tun. Es bleibt Zeit für essen, trinken, schauen und fotographieren.

Bald melden wir uns beim Frankfurter Controller. Unsere Aufmerksamkeit nimmt nun zu. Es gilt exakt Kurs und Höhe zu halten, Transponder-Code einzustellen und sich auf den kommenden Anflug in Aschaffenburg abzusprechen. Meinem Captain Maja kann ich die wichtigsten Merkpunkte und Eigenheiten im Anflug aus der Karte zeigen und aus meiner Erinnerung darlegen, dass wir die Piste erst kurz vor dem Endanflug sehen werden. So kommt es auch, dass wir gut vorbereitet einfliegen und auf Piste-26 landen. Wir stellen die HB-OMX ab und gehn hinauf auf den Tower, fragen wegen Benzin und können so die nun eintreffenden Kollegen der HB-PAF direkt zur Tanksäule weisen. Der Wetterbericht für die Weiterreise sieht nicht gut aus. Gewitter und schlechte Sicht soll es haben. So bleiben wir in der uns vom letzten Mal so sympathischen Gegend über Nacht. Die Flugzeuge werden festgebunden und wir reservieren wieder beim "Zimmermann" in Ringelheim. Der Chef der Flugplatzbeiz findet ein Taxi zu teuer und lässt uns von seiner netten Kellnerin Iris hinfahren. Natürlich will sie von uns keinerlei Entschädigung entgegen nehmen (dankeschön Iris).

Wir beziehen die sehr sauberen Zimmer (besser als in Bremen !!) und setzen uns zu Apéro und Nachtessen in den Biergarten. Das Wetter ist immer noch sommerlich angenehm und von Gewitter ist weit und breit nichts zu sehn. Die gesamte Gruppe begibt sich zu einem Verdauungsbummel durch Ort und Feld. Wir verzichten auf den Besuch der Erdbeeren-Felder zum selber pflücken und setzen uns nochmals zum Schlummerbecher in den Biergarten. Hier lässt sich Maja im 2.Anlauf vom guten Bier-Panaschée (Radler) überzeugen. Sie soll ihr Bettlein gut gefunden und sehr gut geschlafen haben.

 

So. 11.6.2000 Aschaffenburg -- Aschaffenburg

Es ist immer noch gutes Wetter. Wir brechen also optimistisch zum Flugplatz auf. Der Wirt fährt uns selber hin und will dafür nichts haben !! Die Hoffnungen auf bessere Wetterprognosen treffen nicht zu. Obwohl es noch schön ist, meldet die Meteo Trend zu Gewittern und schlechter Sicht. Wir können es kaum glauben. Der Towerbeamte sagt uns aber, dass die Region um den Platz oft wie eine Wetterinsel ist. Wir beschliessen, es mal in Richtung Rheintal zu versuchen. Falls es schlecht wird können wir umkehren oder auf einem der vielen Plätze unterwegs landen. Nach etwa 10 Min. Flug meldet die vorausfliegende HB-PAF, dass sie schon bei schlechter Sicht in Regen kommt und umkehren wird. Wir drehen drum auch um und landen nach einem kurzen "Wetterflug" wieder in Aschaffenburg, "parking on same position as before" lautet die einfache Parkier-Anweisung.

Die Hoffnungen auf Besserung im Laufe des Tages sind gering. Unter dem Vordach des Flugplatz-Beizlein setzen wir uns zu den ortsansässigen Piloten. Wir kommen rasch ins Gespräch und Fachsimpeln. Da wir bleiben wollen, fragt man, ob wir schon ein Hotel hätten. Es gebe auch ein gutes Gasthaus in Gross-Ostheim und eine nette Kneipe im gleichen Ort. Wir stimmen zu und werden schon wieder perfekt zu Gasthaus und Beizlein chauffiert. Wie wäre es wohl bei uns im Birrfeld ? warum kümmern wir uns nicht auf so nette Art um Piloten, die aus dem Ausland zu uns kommen ? Im Beizlein bestellen wir die bekannten Bratwürste, die uns vorzüglich munden und plaudern mit dem Piloten, der noch bei uns sitzen geblieben ist, über die Entwicklung des Flugplatzes Aschaffenburg und seines Clubs. Das Wetter ist nun regnerisch geworden. Nach einem Bummel durch den Ort zu unserem Gasthaus beschliessen wir trotzdem, zum Nachtessen auf den Flugplatz zu marschieren. Dort treffen wir kaum Gäste und haben Glück, dass der Wirt noch da ist. Er bereitet uns einen sehr preiswerten Imbiss zu. Danach marschieren wir wieder heim. Ob die Flieger nun zu Wanderern geworden sind ?

 

Mo. 12.6.2000 Aschaffenburg -- Schupfart -- Birrfeld

Nach dem Frühstück in der Kellerstube fahren wir per Taxi zum Flugplatz. Ein klarer Himmel lässt uns hoffen. Wirklich, auch die Prognosen sind gut. So sind wir bald im Vorbereitungsraum, jede Crew für sich, ins Planen vertieft. Ausgetauscht wird die Kopie der neuen Anflugkarte von Basel, die unsere Kollegen letzte Woche heimgebracht haben. Unsere Routen sind verschieden. Die HB-PAF wird hinüber ins Rheintal und dem Rhein entlang, die HB-OMX quer über die Hügel und den Schwarzwald nach Schupfart fliegen. Die Flugpläne sind eingereicht. Peter hat vorsorglich noch selber in Schupfart wegen dem Zoll angerufen, da wir auf den friesischen Inseln gehört haben, dass die Flugpäne nicht immer an den Ziel-Flugplatz weiter gegeben werden. Die Anmeldung beim deutschen Zoll hat tatsächlich bewirkt, dass zwei Zöllner (bei dem schönen Wetter) hier erscheinen und unsern Abflug amtlich überprüfen.

Bald sind wir in der Luft Richtung Schweiz. Ueber den Hügeln ist es zeitweise wackelig und über uns liegt eine Wolkenschicht, die im Westen etwas tiefer hängt, sich östlich von unserm Kurs sogar auflöst. Zeitweise haben wir einzelnen tiefern Wolken auszuweichen. Vor dem Hauptkamm des Schwarzwaldes weichen wir etwas weiter östlich aus. Beim Wechsel auf Zürich-Info melden wir unsere Position (ohne GPS) als "nördlich Schluchsee". Nach unserm Ausweichen drehen wir wieder auf Zielkurs und passieren bald den markanten Titisee und danach den Schluchsee. Wir sind also wieder perfekt auf Kurs. Unter dem letzten Wolkenband schlüpfen wir hinaus ins Rheintal und beginnen mit dem Anflug auf Schupfart. Wegen einigen im long-long-Final einfliegenden Oldtimern, dehnen auch wir aus und kommen dahinter zur Landung auf Graspiste-07. Bei unsern Maschinen warten wir erst auf die HB-PAF und danach noch länger auf einen Zöllner, der auch 15 Min. nach der angekündigten Landezeit nicht kommt. Kurzer Mittagsimbiss im netten Beizlein, Gespräche mit Bekannten und bald sind wir auf dem letzten Teilstück unserer Reise zu unserem Heimat-Flugplatz Birrfeld. Auch hier ist Aufmerksamkeit wichtig, denn der Flug ist erst fertig, wenn die Maschine am Boden ist und der Propeller still steht (aus Theoriekurs mit Jack Rufli).

Eine sehr abwechslungsreiche Reise mit 2 Flugzeugen ist zu Ende. Der langersehnte Sprung nach England ist uns dabei gelungen. Die 9 Tage präziser Arbeit haben wir bei sehr guter Kameradschaft und mit viel Humor und Spass verbracht. Herzlichen Dank meinen Flieger-Kollegen und meiner Kollegin Maja (genannt Capt. By). Die Flieger-Vagabunden sind wieder daheim, morgen beginnt für uns der Alltag.

Ein besonderer Dank gebührt unserm Webmaster Otto, der für all unsere Bekannten daheim die Reiseinformationen so schnell und übersichtlich auf's Internet gebracht hat:

www.homepage.swissonline.ch/hb-paf/

Ein bedauerndes sorry von euerm langsamen Schreiber Fredy