PAF-Fluggruppe

LSZF Birrfeld CH

 

 

 

Alpen-Umrundung  

Flugreise 19. - 23. Mai 2002

 

Piloten: A. Klauser / D. Keller

1. TAG: PFINGSTSONNTAG, 19.05.2002

1. ETAPPE:

BIRRFELD (14:41 UHR) - BIELERSEE - LAC DE BRET - TRANSIT ROUTE SIERRA BRAVO - VOR CBY - VOR TDP - GRENOBLE - VOR MTL - ABM ORANGE - AVIGNON (17:01 UHR)

2. TAG: PFINGSTMONTAG, 20.05.2002

2. ETAPPE:

AVIGNON (10:48 UHR) - MARSEILLE AIRPORT - VOR LUL - VOR STP- CANNES (12:07 UHR)

3. ETAPPE:

CANNES (14:54 UHR) - VOR NIZ - IMPERIA - SAVONA - GENOVA - VOR GEN - ABM PARMA - BOLOGNA (17:00 UHR)

3. TAG: DIENSTAG, 21.05.2002

4. ETAPPE:

BOLOGNA (10:57 UHR) - FERRARA - VOR CHI - VENEZIA SAN NICOLO - GRADO - TRIESTE - RAKEK - TREBNJE - SLOVENSKA BISTRICA - MARIBOR (13:20 UHR)

5. ETAPPE:

MARIBOR (14:56 UHR) - GOLVA - GOTAR - CHARLY - SIOFOK-KILITI (16:10 UHR)

4. TAG: MITTWOCH, 22.05.2002

6. ETAPPE:

SIOFOK-KILITI (11:28 UHR) - XOMBA - PIESTANY (12:34 UHR)

7. ETAPPE:

PIESTANY (14:30 UHR) - NDB OKR - MARCHEGG - VOR WGM - VOR STO - ST. VALENTIN - LINZ (15:57 UHR)

5. TAG: DONNERSTAG, 23.05.2002

8. ETAPPE:

LINZ (08:28 UHR) - VOR SBG - VOR EUR - VOR KPT - LINDAU - VOR ZUE - VOR TRA - BIRRFELD (11:03 UHR)

  

1. Tag: ...Pfingstsonntag, 19.05.2002

Flug ............................................1. Etappe: Birrfeld (14:41 Uhr) - Petersinsel - Lac de Bret - Transit Route Genf Sierra Bravo - VOR CBY - VOR TDP -

....................................................Grenoble - VOR MTL - ABM Orange - Avignon (17:01 Uhr)

Flugzeit: .....................................2:20 Std. (PIC Daniel Keller)

Vorbereitung der 1. Etappe:

Am Vortag habe ich im Internet die letzten Sembacher Wetter-Karten ausgedruckt und mögliche Szenarien für die ersten paar Tage aufgezeichnet. Dabei stiess ich auf eine bisher nicht angedachte Variante, nämlich die Alpen im Gegenuhrzeigersinn zu umfliegen. Mit Fredy habe ich vereinbart, dass wir am Morgen des Pfingstsonntags miteinander telefonieren wollen, um uns betreffend Abflug und Richtung zu unterhalten. Da von den Wetterprognosen der Osten am sichersten schien, ging es eigentlich nur darum, auf welchem Weg wir dorthin gelangten. Eine abklingende Störung verlagerte sich langsam weiter ostwärts, so dass ein direkter Flug Richtung Osten nicht möglich war. Da auch eine Route nach Norden keine grosse Aussicht auf Erfolg hatte, blieb schliesslich nur noch die südwestliche Variante übrig. Da sich jedoch das Wetter gegen Westen erst am Nachmittag soweit besserte, dass wir problemlos die Gegend von Genf traversieren konnten, verabredeten wir uns um 13:00 Uhr im Birrfeld.

Unsere Wahl für den ersten Übernachtungsort viel dann auf Avignon. Die Planung ergab eine Flugzeit von knapp 3 Stunden (genau 2:56).

Flug:

Nach dem Start auf der Piste 26 flogen wir anfänglich entlang des Jurasüdfusses in Richtung Bielersee. Als wir uns Biel näherten, wurden wir auf die speziell eingerichtete Expo-Zone Frequenz geschickt. Doch es stellte sich bald heraus, dass auf dieser Frequenz keine für uns wichtige Informationen zu holen sind, denn unser Aufruf wurde nicht quittiert und einzig einige belanglose französische Konversationen waren zu vernehmen. So beschlossen wir, uns bei Geneva Info anzumelden. Von der Geneva Information erhielten wir die Clearance for Crossing TMA auf der Transit-Route Sierra Bravo. Sicht und Wolkenuntergrenze stellten uns für die geflogene Höhe von 4'000 Fuss vor keine grossen navigatorischen Herausforderungen.

Nachdem wir den Hausberg der Genfer, den Mont Salève, südlich umflogen hatten, zeigte sich einmal mehr, dass das VOR CBY zwar schön hoch gelegen ist, sich dafür aber auch in Wolkennähe befindet. So war von einem Überflug abzuraten und eine etwas vorzeitige Kurskorrektur in Richtung VOR TDP angezeigt.

Grenoble APP beorderte uns dann auf 3'000 Fuss runter, zwecks Crossing the Airfield. Nachdem wir die Area von Grenoble hinter uns gebracht hatten, ging es direkt weiter zum VOR MTL. In der Zwischenzeit hatten sich auch die restlichen Wolken verzogen und so flogen wir bei blauem Himmel Richtung Mittelmeer. Im Rhonetal konnten wir uns wieder einmal mit der Geschwindigkeit des TGVs messen, welcher sich auf seinem Trasse Richtung Süden bewegte. Doch im Gegensatz zu früheren Begegnungen schnitten wir diesmal nur unwesentlich schlechter ab. Der Grund dafür war auch bald gefunden. Mistral so sein Name, beschleunigte uns zeitweise auf 150 Knoten Groundspeed. Mit diesem Rückenwind erreichten wir bald einmal die Fluplatzzone von Avignon. Der Controller schickte uns auf eine kleine Sightseeing Tour, zuerst entlang der Rhone und danach der Durance. Dabei sahen wir nicht nur einen grossen Teil der Altstadt von Avignon, sondern lernten den Mistral von seiner anderen Seite kennen, nämlich als lästigen Seiten- und später Gegenwind.

Der Landeanflug (Final) schien ewig zu dauern, was bei einer Gegenwindkomponente von 20 bis zu 35 Knoten nicht weiter zu erstaunen vermag. Trotzdem oder gerade wegen dieses starken Gegenwindes setzte die HB-PAF sanft auf der RWY 35 auf. Der Mistral war dann auch hauptsächlich dafür verantwortlich, dass wir die Strecke Birrfeld - Avignon in rekordverdächtigen 2:20 Std. zurückgelegt hatten.

Nach dem Flug:

Nachdem wir das Flugzeug festgebunden hatten, das Gepäck für den Night-Stop ausgeladen und die Sonnenblenden montiert waren, galt es den Aufenthalt in Avignon zu planen. Fredy kannte von früher noch ein nettes Hotel mit Namen Le Magnan. Leider stellte es sich heraus, dass es voll besetzt war (Pfingsten!). Dafür gab es noch freie Zimmer im Hotel Paradou, welches keine 200 Meter vom Abfertigungsgebäude entfernt liegt. So brauchten wir nicht einmal ein Taxi, um dorthin zu kommen. Sowohl Zimmer als auch später das Frühstück lieferten keinen Grund zur Beanstandung.

Abends:

Für das Abendessen führte uns der Weg dann in die Innenstadt, welche ich noch von einer Kanutour in der Ardèche her kannte. So konnte ich Fredy doch noch ihm unbekannte Orte in Avignon zeigen. Nach einem ersten Bier und einem leckeren Crépes, hielten wir nach einem netten nicht allzu touristischen Lokal Ausschau. Mit einigen Kilometern in den Beinen fanden wir dann, wonach wir suchten. Le Chandelier ist ein kleines etwas verstecktes Lokal in der Nähe des Place de l'horloge. Die Speisekarte war wie das Lokal selber eher klein, doch sagte uns das Dinner durchaus zu:

· Sekt mit Pfirsichsaft

· Endiviensalat mit Muschel- und Crevettenfleisch an roter Salatsauce mit Pfeffer abgeschmeckt

· Entenbrust mit Nudeln und verschiedenen Gemüsen

· Glacekugel mit erfrischender Fruchtsauce

· dazu einen etwas "zu" herben Roséwein und Mineralwasser

 

Zufrieden über den Tag liessen wir uns vom Taxi ins Hotel fahren. Zufrieden v.a. auch deshalb, weil wir nach langem Suchen und Fragen endlich ein Taxi auftreiben konnten.

 

2. Tag: Pfingstmontag, 20.05.2002

Flug....................................... 2. Etappe: Avignon (10:48 Uhr) - ABM Marseille Airport - VOR LUL - VOR STP- Cannes (12:07 Uhr)

Flugzeit: ................................1:19 Std. (PIC: Fredy Klauser)

Morgens:.

Nach einem ausgiebigen und guten Frühstück schlenderten wir mit unserem Gepäck zurück zum Abfertigungsgebäude. Das Wetter war immer noch wunderschön und sogar der Mistral hatte an Intensität abgenommen.

Vorbereitung der 2. Etappe:

Nachdem wir METAR und TAF für die gedachte Strecke bis Trieste eingeholt hatten, wollten wir uns an die Planung des 2. Legs unserer Reise nach Genua vornehmen. Glücklicherweise wurden wir aber noch auf ein NOTAM aufmerksam gemacht, welches besagte, dass der Zoll 24 Stunden vorher angemeldet werden muss, ansonsten wir eine Busse von 150 riskieren würden. So blieb uns nichts anderes übrig, als zuerst einen kurzen Inlandflug nach Cannes einzuschieben. Immerhin konnten wir uns einen Flugplan ersparen.

Nachdem alle weiteren Formalitäten erledigt waren, galten unsere nächsten Aktivitäten unserer PAF. Doch welcher Schreck erwartete mich, als ich die Sonnenblenden versorgen wollte. Wo war der schwarze Sack? Ich wusste, dass ich ihn wegen des Mistrals nicht aus dem Flugzeug genommen hatte und trotzdem war er jetzt nicht mehr auffindbar. Ich konnte es mir nur so erklären, dass ich, als ich die kleinen Sonnenblenden des Gepäckabteiles befestigt hatte, beim Rauskriechen ihn mit meinem Körper unbeabsichtigt rausgezogen hatte. Für den Mistral war so ein leichter Sack natürlich ein gefundenes Fressen und so blieb der Verlust bis zum Morgen unentdeckt. Fredy ging danach nochmals zurück, um den Verlust zu melden und eine Suchaktion auszulösen.

Flug:

Unser Weg führte uns zuerst in die Area von Salon, die aber am Pfingstmontag nicht aktiv war und wir somit vorerst auf der Frequenz von Avignon APP verblieben. Kurz bevor wir in den Bereich von Marseille gelangten, teilte uns der Controller von Avignon APP mit, dass der von uns vermisste Sack gefunden wurde. Wir bedankten uns für die Mitteilung, setzten aber unseren Flug fort. Der Anflug Richtung Marseille Airport verlief vorerst wie von uns geplant.

Leider wurde uns aber der Überflug verweigert und wir mussten uns auf die Inlandtransitvariante vorbereiten. Gerne wären wir entlang der Küstenlinie geflogen, aber der Controller hatte kein Gehör dafür, wie ein zweiter Versuch von mir ergab, den Kurs doch noch Richtung Süden zu lenken.

Der Inlandflug war bei diesen Wetterbedingungen natürlich ohne Schwierigkeiten zu meistern und zudem auch viel kürzer. Auf der Höhe von St. Tropez kamen wir dann doch noch an die Mittelmeerküste. Es war schon wieder einiges los in diesem Nobelort, wie die vielen grossen Yachten bezeugten. Der kurze Flug entlang der Küste entschädigte uns wenigstens ein wenig über das verpasste Vergnügen von Marseille bis Cannes der Küste entlang zu fliegen. Der Anflug auf Cannes erfolgte aus dem Süden auf die RWY 17 via lefthand Downwind.

Nach der Landung reihten wir uns gleich bei der Tankstelle ein. Danach liessen wir uns einen Standplatz für etwa eine Stunde zuteilen. Dabei mussten wir feststellen, dass eine Vielzahl von Flugzeugen Cannes als Destination gewählt hatten, sehrwahrscheinlich wegen den Filmfestspielen.

Wie bei der ersten Etappe, so waren wir auch diesmal unserer Planung voraus, wenn auch aus einem anderen Grund. Statt der geplanten 95 Minuten resultierten durch die Abkürzung lediglich eine Flugzeit von 79 Minuten

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 Vorbeiflug am Marseiller Flughafen

 

Flug ...................3. Etappe: Cannes (14:54 Uhr) - VOR NIZ - Imperia - Savona - Genova - VOR GEN - ABM Parma - Bologna (17:00 Uhr)

Flugzeit:............ 2:06 Std. (PIC Daniel Keller)

Vorbereitung der 3. Etappe:

So schön der Flugplatz von Cannes gelegen ist, so mühsam entwickelte sich dann aber die Flugvorbereitung für den Weiterflug, die sich auch klar in der verhältnismässig langen Grounding Time von gegen 3 Stunden wiederspiegelt. Die nächste Etappe planten wir zweigleisig, d.h. wir hofften, dass am Pfingstmontag die Feiertagsregelung zum Zuge kommen würde und wir so nach Venezia S. Nicola fliegen könnten. Leider bekamen wir keinen Anschluss auf den verschiedenen Telefonnummern des Flugplatzes, so dass wir Bologna fest in unsere Planung aufnahmen mit Venedig als Alternate. Obwohl in Cannes schönstes Wetter vorherrschte, konnten wir dem TAF entnehmen, dass wir in der Gegend von Genua auf viel Wolken und evtl. leichten Regen stossen könnten. Für Bologna selber war die Prognose wieder so, wie man sich dies als VFR-Pilot wünscht.

Flug:

Als wir von unserem Standplatz Richtung RWY 17 rollten und dem Controller unsere geplante Route mit dem südlichen Transit von Nizza bekanntgaben, wurden wir einmal mehr enttäuscht, indem wir wieder die Inlandtransitroute via W und VOR NIZ zugeteilt bekamen. Bei Monte Carlo kamen wir dann wieder auf die ursprünglich geplante Route, welche uns entlang der Küste Richtung Genua führen sollte. In Italien nahmen dann die Wolken tatsächlich immer grössere und dichtere Dimensionen an, da wir aber der Küstenlinie folgten, stellte dies für uns vorerst keine Bedrohung dar. Für den Transit Genua liessen wir, infolge der gemachten Erfahrungen in Frankreich, den Controller von Genova APP entscheiden, auf welcher Route er uns den Transit ermöglichen wollte. Diesmal wurden wir nicht ins Inland verbannt, vielleicht auch deshalb, weil dort die Wetterbedingungen für VFR-Flüge nicht optimal waren. Allerdings war er sehr darauf bedacht, dass wir ja nördlich der Küstenlinie flogen, um nicht seinen ILS-Anflug zu stören. Trotz Transponder musste Fredy mehrmals unsere genaue Position durchgeben. Als er bemerkte, dass wir uns genau an seine Anweisungen hielten, teilte er uns für den Weiterflug das VOR GEN zu. Somit verliessen wir die Küstenlinie und näherten uns langsam aber stetig der Überquerung des Appennins. Damit kam dem Wetter wieder eine erhöhte Bedeutung zu und wir mussten mehr als einmal kleinere Kurskorrekturen vornehmen, um nicht in die Wolken oder gar Regenzonen zu fliegen. Speziell südlich unseres Flugweges baute sich eine graue Wand auf, die von intensiven Niederschlägen zeugte. Nach erfolgter Überquerung zeigte sich auch die Sonne wieder und die Wolken wichen mehr und mehr einem freundlichen Blau. Der Anflug auf Bologna erfolgte anfänglich auf direktem Kurs und erst in Flughafennähe wurden wir auf de Standard VFR-Route beordert. Im Final musste ich mir wieder Gedanken machen, ob es besser wäre eine kurze oder doch eher eine lange Landung zu vollziehen (zum Glück brauchen wir uns auf unserem Heimatflugplatz nicht immer solche Gedanken zu machen!).

 

Teilansicht von Monte Carlo (Monaco)

 

Nach dem Flug:

Als erstes fiel mir auf, dass Bologna ein ziemlich rege genutzter Airport ist und es dauerte einige Zeit, bis wir die Clearance für das Rollen bekamen. Ein Marshaller (gelber Follow me Wagen) wies uns unseren Parkplatz zu. Es dauerte auch nicht lange, bis ein Van bei unserem Flugzeug anhielt. Wir staunten nicht schlecht, als wir sahen, wer da aus dem Van ausstieg. Ein blondes, blaukostümiertes Girl mit Minirock und braunen Netzstrümpfen war für unsere Ankunft abdetachiert worden. Die erste Botschaft die Laura, so hiess unser Handling Agent, an uns richtete, war allerdings eher als eine Art Schelte zu verstehen, denn wir hatten es offenbar versäumt, vorgängig die Erlaubnis für ein Night-Stop einzuholen, wie dies im NOTAM publiziert wäre. Es ist immer das gleiche Problem, wie gelangen wir als ausländische Piloten an die nationalen NOTAMs. Danach zeigte sie sich von ihrer freundlichen und hilfsbereiten Art und half uns wesentlich dabei, dass wir zollfrei tanken konnten. Das Auftanken und v.a. der damit verbundene Papierkrieg nahm fast zwei Stunden in Anspruch. Wenn wir dies ins Verhältnis zur vorangegangenen Flugzeit setzen, so erhalten wir fast eine 1:1 Beziehung!!! Damit war allerdings noch nicht alles überstanden, denn der zweite Akt in dieser Zollgeschichte stand uns am nächsten Tag noch bevor.

Laura arrangierte für uns noch das Hotelzimmer und gab uns auch eine Adresse, wo wir in der Nähe des Hotels gut essen konnten.

Der Shuttlebus brachte uns dann anschliessend ins Hotel Sheraton, welches wieder ganz in der Nähe des Flughafen gelegen ist.

Abends:

Das Hotel und das Zimmer waren ok und der Restaurant-Tip erste Sahne, obwohl man dies von aussen gar nicht vermuten würde. Leider reicht meist der Hunger nicht aus, um sich durch sämtliche Gänge auf einer italienischen Speisekarte durchzufuttern. Irgend eine Position mussten wir auslassen, wenn wir nicht das Schicksals eines platzenden Ballones teilen wollten. So entschieden wir uns die Pasta ausfallen zu lassen und nach der Antipasti direkt zum zweiten Hauptgang überzugehen. Denn schliesslich musste auch noch Platz für ein leckeres italienisches Dessert freigelassen werden.

Zuerst ging es also ans Buffet, um sich von den vielen angebotenen Antipasti eine kleine Auswahl zusammenzustellen. Danach entschieden wir uns für ein über dem offenen Feuer gebratenen Filetsteak mit Bratkartoffeln dazu. Obwohl uns die Wahl nicht leicht fiel, waren wir mit dem Ergebnis restlos zufrieden. So ein zartes Stück Fleisch hatte mein Gaumen schon lange nicht mehr geschmeckt. Als der Kellner danach mit dem Dessertwagen vorfuhr, konnten wir uns gar nicht entscheiden, da alles so verführerisch aussah. So entschieden wir uns letztendlich für eine Kombination von Tiramisu und Panna Cotta an einer Caramelsauce.

Hochzufrieden verliessen wir den Gourmettempel und genossen auf unserem Nachtspaziergang die nach wie vor herrschende Wärme.

 

 

 

3. Tag:.Dienstag, 21.05.2002

Flug ....................... ....4. Etappe: Bologna (10:57 Uhr) - Ferrara - VOR CHI - Venezia San Nicolo - Grado - Trieste - Rakek - Trebnje - Slovenska Bistrica - Maribor (13:20 Uhr)

Flugzeit:..................... 2:23 Std. (PIC: Fredy Klauser)

Morgens:

Nach einem reichhaltigen und vielseitigen Frühstück liessen wir uns von einem Taxi zum Flughafen chauffieren, da leider der Shuttlebus zwischen 8:00 und 9:30 Uhr in der Stadt (Bahnhof) unterwegs war.

Vorbereitung der 5. Etappe:

An der Information zeigten wir dann die Visitenkarte der Handling Agentur, in der Hoffnung, dass uns wieder Laura zugeteilt würde. Doch diesmal kam ein männlicher Kollege. Allerdings dürfen wir ihm attestieren, dass er seine Arbeit seriös ausführte, so dass wir relativ speditiv durch die heutige Administration kamen.

Die erste Aktivität galt wie immer der Beschaffung der Wetterdaten. Wir hofften, dass auf einem so bedeutenden Flughafen auch eine Mehrtagesprognose über die Grosswetterlage in Zentraleuropa zu erhalten. Es blieb leider vorerst bei der Hoffnung, da das Wetter ausserhalb Italiens hier niemand zu interessieren scheint und ein Internetanschluss noch nicht verfügbar wäre!!! Die Geschichte mit dem Benzinpreis entschärfte sich dahingehend, als wir wegen der günstigeren Wetterprognose uns für Maribor und gegen Graz entschieden. Da Maribor in Slowenien und somit ausserhalb des Schengener Raumes liegt, war wenigstens ein Problem gelöst. Das letzte konnten wir dann erst in Maribor selber an die Hand nehmen, indem wir nämlich aufgefordert wurden, die Quittung der Landetaxe von Maribor nach Bologna durchzufaxen, damit sie dann unsere Akte schliessen könnten.

Im Büro der Handling Agentur konnten wir dann doch noch einen Blick auf die Grosswetterlage werfen, auch wenn sie nicht ganz tagesaktuell war. Nach der Bezahlung durften wir zu unserem Flugzeug gehen. Ja, es ist kein Verschreiber meinerseits, wir durften wirklich zu Fuss und ohne Begleitung über den Tarmac laufen.

Nachdem Fredy den Motor gestartet und den Motorencheck beendet hatte, signalisierte ich dem Ground, dass wir zum Rollen bereit wären. Da aber zu der Zeit einige grössere Maschinen sich ebenfalls in der gleichen Situation befanden, mussten wir uns halt noch ein bischen gedulden. So hatten wir wenigstens die Möglichkeit den Kollegen von der Swiss zuzuwinken, die neben uns zum Holding rollten, um nach Zürich zurückzukehren . Nachdem auch sie unseren Gruss quittiert hatten und auch noch eine Turbopropmaschine unsere Position passiert hatte, war die Reihe endlich an uns.

Der Ausflug stellte uns vor keine speziellen navigatorischen Probleme, umsomehr dass wir nicht alle Checkpunkte abzufliegen hatten. Was folgte war ein ruhiger Flug Richtung Chiogga VOR an der Adriaküste. Danach folgte die wunderschöne VFR-Route entlang der Küstenlinie bis nach Trieste. Das Wetter meinte es wirklich gut mit uns, so dass wir Venedig bei klarer Sicht erleben durften. Das sei nicht selbstverständlich, erklärte mir Fredy, der diese Strecke schon häufig beflogen hatte. Als wir uns dann Trieste näherten übergab uns Ronchi APP an Portoroz APP, welcher unseren Einflug nach Slowenien überwachte. Mit dem Wechsel vom Meer aufs Festland änderte sich auch zusehends das Wetter. Während in Italien die Farbe Blau klar vorherrschte, war dies in Slowenien anfänglich umgekehrt proportional, bis später auch noch die letzten Reste der blauen Farbe verschwanden. Bei diesen Wetterbedingungen stellt die terrestrische Navigation der VFR-Route hohe Anforderungen an die Besatzungen von Flugzeugen nach VFR. Nach dem Passieren des Checkpunktes Rakek wurde es noch arger mit den Wolken, welche grösstenteils die oberen Teile der Berge verhüllten. Wir konzentrierten uns fortan auf die Taleinschnitte die unserer allgemeinen Flugrichtung entsprachen. Um die Lage in Ruhe analysieren zu können, flog Fredy einen Vollkreis, um auch sicherzugehen, dass der Rückweg nach wie vor offen war. Wir spielten schon mit dem Gedanken nach Portoroz auszuweichen, als wir doch noch fündig wurden und einen Durchgang ins nächst breitere Tal fanden. Als wir dann den Checkpunkt Trebnje überflogen hatten, war das Ärgste überstanden. In Maribor selber erwartete uns wieder perfektes VFR-Wetter.

Der Flugplatz schien noch vor nicht allzu langer Zeit ein Facelifting erhalten zu haben, denn alles wirkte noch so neu, sei es Piste, Abstellfläche oder die Inneneinrichtung des Abfertigunggebäudes.

 

Vorbeiflug an Chioggia mit Adria (rechts) und der Lagune (hinten)

 

 

HB-PAF erstmals zu Besuch beim Flughafen von Maribor

 

 

Flug ..................5. Etappe: Maribor (14:56 Uhr) - Golva - Gotar - Charly - Siofok-Kiliti (16:10 Uhr)

Flugzeit: ...........1:14 Std. (PIC Daniel Keller)

 

Vorbereitung der 5. Etappe:

Da es noch zu früh war, um an einen Night-Stop zu denken, beschlossen wir nach Siofolk am Plattensee weiterzufliegen. Mit dem AIP Ungarn konnten wir die Aktualität unserer Unterlagen überprüfen. Obwohl unsere Karte das Jahr 1994 trägt, stellten wir fest, dass es noch keine neuere Ausgabe gab. Auch die Funkfrequenzen hatten keine Änderungen erfahren.

Nachdem wir auch den Fax nach Bologna abgeschickt hatten, nahmen wir noch unseren Lunch ein, bevor es wieder in die Luft ging.

Flug:

Der Weiterflug nach Siofok-Kiliti verlief im Vergleich zur vorangegangenen Etappe ziemlich ereignislos. Obwohl eine reine terrestrische Navigation ohne Einsatz von Radionavigations-Hilfsmittel und/oder GPS in Ungarn doch einige Anforderungen an die Flugzeugbesatzung stellen würde. Rechts kam dann bald einmal der Plattensee in Sichtweite, doch bis zum Zeitpunkt, wo wir diesen zu überqueren hatten, verging noch etliche Zeit.

Der Anflug auf den Flugplatz war trotz Graspiste einfacher als erwartet, da die RWY sehr gut markiert ist. Für mich ist die Länge der RWY schon ein wenig erstaunlich. Wer benötigt denn eine 2500 Meter lange Graspiste, v.a. da sie ja offenbar durch die dort lebenden Hamster total unterhöhlt ist. Nach der Landung ertönte ein freundliches "Welcome in Kiliti" in unseren Ohren und wir wurden zum Abstellplatz neben dem einzigen ortsansässigen Flugzeug beordert.

Nach dem Flug:

Es dauert nicht lange stand bereits wieder eine Person neben unserer PAF, diesmal war es aber keine Frau, auch kein Handlings Agent sondern ein Zollbeamter in Uniform. Wir sind im Osten, ging es mir gleich durch den Kopf und wirklich zog er als erstes unsere Pässe ein. Danach mussten wir unser Gepäck ausladen, damit er sich ein Bild über unsere mitgeführten "Waren" machen konnte. Als nächstes wurden wir höflich gebeten ihm zu folgen, um eine Einreisedeklaration auszufüllen. Erst jetzt durften wir uns wieder um unser Flugzeug kümmern und das Auftanken in Angriff nehmen. Beim Rollen sah ich wieder zahlreiche Hamster über den Apron rennen und gleich darauf in Löchern zu verschwinden. Der Flugplatzchef selber nahm den Auftankvorgang vor und bereitete danach auch die Abrechnung vor. Als wir das Flugzeug festgemacht hatten, die Sonnenblenden montiert und das Flugzeug abgeschlossen hatten, erwartete uns im hübschen Abfertigungsgebäude, bereits eine Taxichauffeuse, welche in der Zwischenzeit vom Flugplatzchef aufgeboten wurde. Übrigens auch hier wird neben ungarisch, eine Sprache die eh kein normaler Mensch versteht, als erste Fremdsprache deutsch gesprochen. Dies galt für die Taxichauffeuse, wie auch später für den Kellner.

Abends:

Die Taxichauffeuse fuhr uns ins Park Hotel, mit welchem sie zusammenarbeitet. So brauchten wir fürs Taxi noch nichts zu bezahlen, sondern konnten dies am nächsten Morgen erledigen. Am Flugplatz wurde uns das Hotel als ehemaliges Schloss verkauft. Dies schien uns allerdings doch leicht übertrieben zu sein, obwohl wir beim näheren Hinsehen ein kleines Türmchen ausmachen konnten. Das Zimmer war zwar klein aber mit schönen Kiefernmöbeln ausgestattet und vor unseren Fenstern breitete sich ein grosser Park aus. Ebenfalls neu für uns war, dass wir das Zimmer im voraus zu bezahlen hatten und dass das Frühstück separat abzurechnen ist. Dafür konnten wir die Rechnung in Euro begleichen, obwohl in der Regel die Preise nur in Forint angeschrieben sind.

Da es noch zu früh war um schon wieder ans Nachtessen zu denken, nutzten wir die Zeit für einen ausgiebigen Spaziergang am Plattensee, mit einem obligaten Bierhalt. Der flache, im Schnitt nur 3 Meter tiefe See war bereits angenehm warm und von ein paar toten Aalen entdeckten wir auch zwei kleine, etwa 80 cm lange, grüne Wasserschlangen. Der Gedanke daran würde das Badevergnügen schon ein wenig beeinträchtigen, obwohl die Tiere sehr scheu waren und ich so keine Chance hatte, sie zu fotografieren.

Auf der Fahrt zum Hotel hatten wir uns noch bei der Taxifahrerin erkundigt, wo man denn hier typisch ungarisch essen könnte. So entfiel am Abend die Suche nach einem geeigneten Restaurant und wir konnten uns auf andere Dinge konzentrieren, als das Lesen von Speisekarten. Wie bereits erwähnt sprach der Kellner fast perfekt deutsch und so erklärte er uns in gut verständlicher Art die einzelnen Speisen. Wir einigten uns schliesslich auf eine pikante ungarische Gulaschsuppe, gefolgt vom Hauptgang bestehend aus Gänsekeule an pikanter Paprikasauce mit Bratkartoffeln und Kroketten und zum Dessert Palatschinken, was in Avignon die Bezeichnung Crepes trägt. Dazu, wie üblich einen fruchtigen ungarischen Rosewein und Mineralwasser.

Wir schlossen den Abend mit einem abschliessenden Verdauungsspaziergang am Ufer des ruhig daliegenden Plattensees.

 

4. Tag:...Mittwoch, 22.05.2002

Flug................................ 6. Etappe: Siofok-Kiliti (11:28 Uhr) - XOMBA - Piestany (12:34 Uhr)

Flugzeit: .........................1:06 Std. (PIC: Fredy Klauser)

Morgens:

Am Morgen schälte ich mich zur üblichen Zeit (06:40 Uhr) aus den Federn. Der kurze Blick durchs Fenster in Richtung Himmel zeigte die von uns VFR-Piloten so geschätzte Farbe blau. Mit dieser Kenntnis fiel mir das Aufstehen natürlich besonders leicht und auch Fredy kam diesmal zügig von seiner Bettstatt hoch. Viel zu zügig, wie es sich um 07:30 Uhr herausstellte. Denn der Frühstücksraum wurde erst um 8 Uhr geöffnet. Also ging es nochmals an die Seepromenade, um den Plattensee im Morgenlicht auf uns wirken zu lassen.

Das anschliessende Frühstück wies nicht mehr die Vielfalt der vorangegangenen Tage auf. Dafür waren die Portionen reichlich. Danach noch schnell eine Ansichtskarte schreiben, das Taxi anfordern und kurze Zeit später fuhren wir wieder hinaus nach Kiliti zum Flugplatz mit den vielen Hamsterlöchern.

Vorbereitung der 6. Etappe:

Als erstes wurden wir wieder mit einem Formular eingedeckt, diesmal für die Ausreise. Selbstverständlich nahm man uns auch wieder die Pässe ab. Doch vorerst galt unsere ganze Aufmerksamkeit der Meteo. Welche Überraschung erwartete uns da, der Flugplatz verfügt tatsächlich über einen Internet-Anschluss, so dass wir neben METAR und TAF auch eine generelle Übersicht betreffend der Grosswetterlage einholen konnten. Allerdings hinkte die Aktualisierung der Prognosen rund einen Tag hintennach, so dass wir nicht wirklich schlauer wurden. Nun, gemäss TAF schien ein Korridor Richtung Norden am vielversprechendsten. So entschieden wir uns für Piestany in der Slowakei, als ersten Etappenort des heutigen Tages. Der Flugplan selbst war dann sehr schnell erstellt, da er nur aus drei Eintragungen bestand (Abflugsort, Grenzüberflugsort und Zielort). Die errechnete Flugzeit war mit 1 h 25' auch nicht besonders lang.

Obwohl das Flugplan-Formular internationale Gültigkeit besitzt, hat doch jedes Land wieder seine individuellen Wünsche, wie dieses auszufüllen sei. So besteht Budapest darauf, dass man eine fixe Flughöhe angeben muss, sofern die Kontrollzone von Budapest durchflogen wird.

Flug:

Genau wie am Vortag rannten die Hamster kreuz und quer vor der anrollenden PAF in ihre Löcher. Nach dem TakeOff auf der RWY 15 überflogen wir zuerst Siofok und folgten dann dem Südufer des Plattensees Richtung Osten. Erst danach schwenkten wir auf unseren geplanten Track ein. Bis kurz nach Székesfehérvar verlief unser Flug ohne besondere Vorkommnisse. Danach allerdings meldete sich Budapest Info und schickte uns auf einen anderen Kurs, welcher uns zum Checkpunkt XOMBA bringen sollte, so sei dies von Bratislava gewünscht worden. So intensiv wir auch unsere Karten studierten, fanden wir keinen Checkpunkt der so hiess. Also bestimmten wir anhand des uns vorgegebenen Headings, die ungefähre Position dieses Grenzpunktes, denn um ein solchen musste es sich dabei handeln. Budapest Info bestätigte uns dann die Korrektheit unserer Positionsmeldung beim Überflug der Donau. Bratislava Info gab uns dann die Clearance Piestany auf direktem Kurs anzufliegen. Als wir uns aber später einer grösseren Fabrik näherten, wurden wir dann dennoch auf einen anderen Kurs geschickt, so dass wir die Fabrik querab passierten.

Der Flugplatz von Piestany war dann nicht besonders schwer zu lokalisieren und wir konnten bei der Gelegenheit auch gleich den ILS-Anflug testen. Die Frage ob kurze oder lange Landung beantwortete der Controller bei der Landeerlaubnis gleich selber, da wir die Piste (RWY) über den Taxiway A zu verlassen hätten und dieser sich am Ende der RWY 19 befindet. Die Rollwege und Abstellflächen waren noch in der typischen Betonplattenbauweise gehalten, wo das Gras sich seinen Weg zwischendurch gebahnt hat. Aber auch die Tankwagenflotte würde jedem technischen Museum gut anstehen. Meine Bemerkung, ob wir nicht besser zum Tankwagen rollen sollten, als diesen zu unserem Standplatz zu bemühen, quittierte Fredy mit den Worten "ich sollte nicht so despektierlich über die Flugplatzeinrichtungen herziehen".

 

Über der Uferzone des Plattensees bei Siofok

 

Nach dem Flug:

Natürlich dauerte es keine Minute, bis sich wieder ein weiblicher Handling Agent neben unserem Flugzeug aufbaute. Und auch hier galt die erste Aktivität den Zollformalitäten. Hier war doch noch deutlich der Einfluss des ehemals kommunistischen Regimes zu spüren. Den Pass mussten wir durch ein kleines Fenster eines Glashäuschens durchreichen. Dieser wurde dann sehr sorgfältig durchgeblättert. Danach bekamen wir wieder den obligaten Stempel, wie dies im Osten wohl noch so üblich ist. Auch hier schien die deutsche Sprache weit verbreitet zu sein. Auf jeden Fall zog es die Beamtin im Meteo- und Flugplan-Office vor, sich mit uns lieber in deutsch als in englisch zu unterhalten. In ihrem Büro fanden wir dann die neuesten Karten von der Slowakei, in denen wir dann auch diesen Grenzcheckpunkt XOMBA fanden. Leider wollte sie uns ihr eigenes Exemplare nicht verkaufen, da dieses dem Flugplatz gehört.

 

Flug............... 7. Etappe: Piestany (14:30 Uhr) - NDB OKR - Marchegg - VOR WGM - VOR STO - St. Valentin - Linz (15:57 Uhr)

Flugzeit: .........1:27 Std. (PIC Daniel Keller)

 

Vorbereitung der 7. Etappe:

Nach Konsultation von METAR und TAF konnten wir noch wählen zwischen Ost-Tschechien oder Österreich. In Anbetracht der sich nahenden Schlechwetter-Front über Frankreich, beschlossen wir, das etwas flachere und westlicher gelegene Linz, dem tschechischen Brünn vorzuziehen.

Flug:

Der Start erfolgte wieder auf der RWY 19 bei 7m/s Wind aus rund 45 Grad. Für unsere Ohren schon etwas ungewohnt, den Wind in m/s zu erhalten, v.a. da ich zu der Zeit gar nicht die Musse finde, die Angaben umzurechnen. Der Controller von Stefanic Radar erlaubte uns direkten Kurs auf das NDB OKR zu nehmen, welches in der Pistenachse der RWY 22 von Bratislava aufgestellt ist. Kurz darauf spielte sich ein "tragischer" Zwischenfall ab, tragisch nicht für uns, sondern für einen schwarzen Vogel, der ohne Freigabe durch Bratislava Info auf Gegenkurs flog. Das Ausmass des Frontalzusammenstosses wurde uns aber erst nach der Landung in Linz vor Augen geführt. Vom Vogel selber waren nur ein paar Federn an der Motorenverschalung hängengeblieben. Dafür waren Propeller, Motorenverschalung, linke Flügelvorderkante und der linke Radschuh blutbeschmiert. Es stimmt mich schon traurig, doch für ein Ausweichmanöver blieb keine Zeit, alles ging so schnell.

Mit dem Übergang via Marchegg nach Österreich lockerte sich die Bewölkung mehr und mehr auf, so dass ich endlich wieder einmal auf eine gewohnte Flughöhe von 4'500 Fuss steigen konnte. Dies bildete auch gleich den Höhenrekord unserer Reise. Der Anflug nach Linz erfolgte über die südöstliche VFR-Route. Etwas überflüssig erschien uns dann die Angabe des Controllers vom Linz TWR, welcher uns im Final noch ein neues QNH übermittelte. Seit dem Start in Piestany fiel der Luftdruck von anfänglich 1013 mbar auf 1005 mbar zusammen, was uns die Annäherung an die Front signalisierte.

 

Auf dem Vorfeld des Flughafens von Piestany und Tankwagen hinten links

 

Nach dem Flug:

Wie üblich, meldeten wir beim Rollen zu dem uns zugeteilten Standplatz, den Bedarf für Benzin an. Als Antwort wurden wir mit einer Gegenfrage konfrontiert, ob wir lieber Shell oder Mobil tanken wollen. Unsere Antwort "das ist uns egal" schien ihm nicht zu behagen, denn er hakte gleich nochmals nach mit den Worten "dass dies unsere Entscheidung wäre". Erst die Benzinart beendete dann diese für uns seltsam anmutende Konversation. Auf der anderen Seite hätte man den Dialog durchaus noch ausbauen können, mit der Frage nämlich nach der Art der Bezahlung. Wie es sich später herausstellte konnten wir zum ersten Mal auf unserer Reise, den Betrag nicht mit der MasterCard begleichen. Der Herr Tankwart nahm nur Cash entgegen.

Ansonsten ist der Flughafen von Linz wirklich eine gute Adresse, welcher erst vor wenigen Jahren total umgebaut wurde. Neben einem speziellen GAC Terminal ist auch die Meteo erwähnenswert. Auch die Reservierung eines Hotelzimmers in der Nähe des Flughafens (wegen des angedachten frühen Abfluges) wurde schnell und zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt. Einziger Wermutstropfen bildeten wieder einmal die Taxisuche. Zwar waren viele Standplätze mit Taxi angeschrieben, doch ein Fahrzeug mit entsprechender Beschriftung stand keines da. Einige Minuten später kehrten dann die ersten Taxis von ihren Ausflügen wieder zurück und so kamen wir doch zu früher Stunde zu unserem Gasthof Mandorfer auf der anderen Seite des Flughafens.

Abends:

Nachdem wir unser Gepäck auf dem Zimmer deponiert hatten, gingen wir runter in den Innenhof, um uns ein kühles Bier zu genehmigen. Gleichzeitig spielten wir noch mögliche Szenarien für den nächsten Tag durch (Direktflug nach Hause, nördliche Route über Landshut, Ingolstadt, Augsburg, Mengen, südliche Route über Salzburg, Kempten, Altenrhein). Wir kamen überein, dass wenn es vom Wetter her möglich wäre, wir direkt ins Birrfeld fliegen würden. Dies bedingt allerdings, dass wir früh aus den Federn steigen würden, um möglichst früh in der Luft zu sein, da die Wetter-Prognose für den Nachmittag nichts Gutes erahnen liess. Planen macht hungrig uns so widmeten wir uns einer anderen Unterlage zu, der Speisekarte. Wie bereits an den Tagen zuvor, so erwartete uns auch diesmal wieder ein leckeres Mal, bestehend aus Rehschnitzel an einer Pfeffersauce mit Früchten und Röstigaletten, zum Dessert Eispalatschinken mit Schlag (eine Spezialität wohl aus der K & K Zeit). Für diejenigen, welche diese Dessertspezialität noch nicht kennen, kann festgehalten werden, dass es völlig ungefährlich ist, man wird nicht etwa beim Servieren vom Kellner oder der Kellnerin geschlagen.

Nach einem Verdauungsspaziergang mit anschliessendem Schlummerbecher gingen wir heute etwas früher zu Bett, angesichts der geplanten Weckzeit von 6 Uhr.

 

5. Tag:.Donnerstag, 23.05.2002

Flug ...................................8. Etappe: Linz (08:28 Uhr) - VOR SBG - VOR EUR - VOR KPT - Lindau - VOR ZUE - VOR TRA - Birrfeld (11:03 Uhr)

Flugzeit:...................... ..... 2:35 Std. (PIC: Fredy Klauser)

Morgens:

Um halb sechs Uhr schälte sich Fredy bereits aus seinem Bett. Es stellte sich bei ihm doch spürbar ein gewisser Stalldrang ein. Zum Glück für uns gab es hier bereits ab 6 Uhr Frühstück. So dass wir an diesem Morgen zeitig auf das Flughafengelände kamen.

Vorbereitung der 9. Etappe:

Nachdem wir uns über die aktuelle Wettersituation orientiert hatten, schien es durchaus realistisch den Heimflug zu planen. Der Föhn sollte bis Mittag die Wolken und die damit verbundenen Regenschauer zurückhalten. So ging es also an die Planung des Heimfluges via Chiemsee - Kempten -Lindau.

Flug:

Nachdem wir dem diensthabenden Hasen am Apron salutiert hatten, erhielten wir kurz darauf die TakeOff Clearance. Meine Uhr zeigte 08:28 an, eine für PAF Verhältnisse doch eher ungewohnte TakeOff Zeit. Dafür zeigte sich, dass Morgenflüge durchaus ihren Reiz haben. Keine Turbulenzen, wenig Verkehr und dadurch problemloser Durchflug der Salzburg Area. Die einzigen Turbulenzen wurden wenig später durch den PIC verursacht, welcher plötzlich feststellte, dass er dringend Wasser lösen sollte. Ein erster Versuch war jedoch noch nicht vom Erfolg gekrönt. Erst nach Rosenheim beim zweiten Versuch, stellte sich die Erleichterung beim PIC ein. In der Zwischenzeit hielt der Co-Pilot das Flugzeug auf Kurs, so gut das eben bei diesen Turbulenzen möglich war. Leider wurde der Anfrage, zur bildlichen Festhaltung dieses eher aussergewöhnlichen Ereignisses, durch die Zensurbehörde (PIC) eine Abfuhr erteilt. Daher bleibt es leider bei der schriftlichen Schilderung dieses Vorganges. Der Schreiber kann hier allerdings lobend erwähnen, dass er bei dieser Aktion nicht nass wurde und auch die Sitzüberzüge des Flugzeuges dabei trocken blieben. Die Erleichterung über den gelungenen Akt war danach aber unüberhörbar. Er fühle sich wie ein neuer Pilot, so Fredys Originalkommentar. In der Zwischenzeit sind wir näher an die Voralpen herangekommen und gelangten damit auch in den Bereich der Föhnaktivitäten. Die Turbulenzen blieben aber eher bescheiden, so dass wir an der geplanten Route festhalten konnten.

Als wir in Bodenseenähe kamen, änderten sich die bisher guten Wetterbedingungen aber markant. Tief herunterhängende Wolken zwangen uns von 4'500 Fuss bis auf 3'000 Fuss abzusinken. Diese Höhe konnten wir dann bis in die Gegend des VOR Trasadingen halten. Danach wurde aber auch diese Höhe bereits zum Problem, so dass ein weitergehender Sinkflug vorzunehmen war. Erst kurz vor dem Einflugssektor November konnte Fredy einen kurzen Steigflug auf wenigsten 2'500 Fuss einleiten, so dass wir nicht gezwungen waren, den Platz auf der Voltenhöhe anzufliegen. Der Rest war dann ein Kinderspiel, welches zig-fach geübt und praktiziert wurde. Zudem braucht sich die Besatzung keine Gedanken darüber zu machen, ob eine kurze oder eine lange Landung besser wäre.

Um 11:03 Uhr setzte Fredy die PAF wieder auf heimischen Terrain auf und damit ging das Unternehmen "Alpenumrundungsflug" zu Ende.

Nach dem Flug:

Da das Flugzeug nicht mehr ganz so schön anzuschauen war, beschlossen wir zum Waschplatz zu rollen, um die weisse Farbe wieder zum Vorschein zu bringen.

Ein gemeinsames Mittagessen im Flugplatzrestaurant beendete unsere interessante und abwechslungsreiche Reise.

Zusammenstellung der Flugzeiten, Benzinpreise und Landetaxen:

Datum

Ort

ICAOCode

Startzeit

Landezeit

Flugzeit

Benzin-preis (Lt)

Lande- + Handling

19.05.2002

Birrfeld (Schweiz)

LSZF

14:41

1.66

Avignon (Frankreich)

LFMV

17:01

2:20

1.99

31.90

20.05.2002

Avignon(Frankreich)

LFMV

10:48

Cannes (Frankreich)

LFMD

12:07

1:19

1.99

33.00

Cannes (Frankreich)

LFMD

16:28

Bologna (Italien)

LIPE

18:50

2:22

1.14

82.70

21.05.2002

Bologna (Italien)

LIPE

10:57

Maribor (Slowenien)

LJMB

13:20

2:23

1.36

30.70

Maribor (Slowenien)

LJMB

14:56

Siofok-Kiliti (Ungarn)

LHSK

16:10

1:14

1.64

50.90

22.05.2002

Siofok-Kiliti (Ungarn)

LHSK

11:28

Piestany (Slowakei)

LZPP

12:34

1:06

1.54

35.50

Piestany (Slowakei)

LZPP

14:30

Linz (Österreich)

LOWL

15:57

1:27

2.18

65.30

23.05.2002

Linz (Österreich)

LOWL

08:28

Birrfeld (Schweiz)

LSZF

11:03

2:35

32.00

Legende:

- sind in Local Time

- alle Preise sind in sFr. umgerechnet 

Fazit:

Wieder sind einige neue Gebiete erflogen worden, v.a. für den Schreiber, der das erste Mal überhaupt in Ungarn und der Slowakei war. Selbst für meinen erfahrenen Kollegen reihten sich zwei neue Flugplätze (Maribor und Piestany) in das Palmares von ihm und der HB-PAF ein.

Obwohl wir uns zeitlich in einem engen Korsett befanden, resultierte doch eine interessante und kurzweilige Flugreise, bei der uns, mit einigen kleineren Ausnahmen, die Sonne als ständiger Begleiter erschien. Ich möchte es nicht versäumen, mich bei Fredy für die tolle Zeit mit den vielen interessanten und neuen Erlebnissen herzlich zu bedanken.

 

mit kameradschaftlichen Gruss

Daniel Keller, Mitinhaber der Piper Archer HB-PAF

 

 

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